Berlin : Papst-Besuch: Die Stille vor dem Sturm

Elisabeth Binder

Juni 1996. Der Papst sollte kommen, das Olympiastadion wurde für einen gigantischen Gottesdienst mit zwei Seligsprechungen hergerichtet. Ein Stopp im Stadion war also der letzte Punkt einer kleinen Reportagetour durch die Stadt, die sich auf das Großereignis vorbereitete. In Kreuzberg hatten die autonomen Lesben ihre pinkfarbenen Nonnengewänder aufgebügelt, der Rest der Szene hatte die Trillerpfeifen geölt und platzte fast vor Stolz auf die Demo-Schilder gegen den Papstbesuch. Im Olympiastadion war es angenehm still. Natürlich auch stiller als am folgenden Tag, als sich das Stadion in eine riesige Open-Air-Kirche verwandelte und 130000 Katholiken mit dem Papst einen Gottesdienst feierten. Es war ziemlich kühl, aber die Organisatoren strahlten erstaunlich viel Ruhe aus. Am Ende ging alles gut. Aber das konnte man noch nicht wissen in dieser abendlichen Stille vor dem Sturm, die windig war und auf eine ganz eigene und für die Stadt untypische Art feierlich.

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