Papstbesuch : Beten mit Benedikt

Der Papst will im kommenden Herbst Berlin besuchen. Eine Großmesse soll es aber nicht geben. Ist das ein kluger Schritt?

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Das Kreuz mit der Messe. Papst Benedikt XVI. wird im September zum Besuch in Berlin erwartet. Geplant ist eine Staatsvisite ohne großen Gottesdienst – ein kluger Schritt? Foto: dpa
Das Kreuz mit der Messe. Papst Benedikt XVI. wird im September zum Besuch in Berlin erwartet. Geplant ist eine Staatsvisite ohne...Foto: dpa

Farbeier aufs Papamobil, Pfeifkonzerte bei der Papstrede am Brandenburger Tor, ein nackter Flitzer – das war zu viel für Bundeskanzler Helmut Kohl. Nach dem Besuch von Johannes Paul II. 1996 in Berlin drohte er, Staatsgäste künftig woanders zu empfangen, wenn die Berliner ihre Aufständischen nicht in den Griff bekämen. Der Papst habe mit Protesten gerechnet, sagte hingegen der Sprecher des Bistums, er lebe nicht im Glashaus.

Wenn Papst Benedikt XVI. bei seinem Besuch in Berlin im September 2011 mit Protest konfrontiert würde, wäre das auch für ihn nicht das erste Mal. Beim Weltjugendtag in Sydney 2007 wurde er mit Kondomen beworfen, in Paris 2008 demonstrierten Papstgegner, in London vor drei Monaten sollen es sogar zehntausend gewesen sein, in Spanien veranstalteten Homosexuelle „Kiss-ins“ entlang der Straßen, durch die das Papamobil rollte. Die angekündigten Proteste hielten die Kirche in diesen Ländern nicht davon ab, große öffentliche Gottesdienste mit dem Papst zu feiern. An der Messe vor dem Pariser Invalidendom nahmen 250 000 Menschen teil, in London kamen 85 000 zum Gebet in den Hyde Park. Beim Weltjugendtag in Köln 2005 feierten Hunderttausende mit Benedikt ein Abendgebet, in München 2006 250 000 eine Messe unter freiem Himmel.

Ausgerechnet beim Staatsbesuch in Berlin nächstes Jahr soll es keine Großmesse geben? Bislang ist keine für den 22. und 23. September 2011 vorgesehen, heißt es bei der Kirche. In der Hauptstadt überwiege der Charakter des Staatsbesuchs, sagt Stefan Förner, der Sprecher des Berliner Erzbistums. Inoffiziell ist allerdings zu hören, dass man auch deshalb von einem öffentlichen Gottesdienst absehen wolle, weil man Benedikt eine Wiederholung der unangenehmen Szenen von 1996 ersparen will. Kardinal Ratzinger hatte damals Papst Johannes Paul II. in Berlin begleitet.

Auch sorgt man sich, ob der Papst an einem Donnerstag oder Freitag, auf die der 22. und 23. September fallen, womöglich vor halb leeren Rängen predigen würde. Die Gottesdienste in Köln, München, in Paris und London fanden an Wochenenden statt. Auch der nicht mal 24-stündige Besuch von Johannes Paul II. 1996 in Berlin fiel auf einen Sonntag. Zum Gottesdienst im Olympiastadion machten sich damals 95 000 Gläubige auf den Weg, darunter 20 000 Polen, die eigens anreisten, um „ihren“ Papst zu sehen. Dennoch hieß es am nächsten Tag im Tagesspiegel: „Die vielen leeren Plätze waren augenfällig.“ Ob diesmal Polen anreisen, um den Papst zu erleben, ist zu bezweifeln. Und die süddeutschen Fans werden eher zu den geplanten Großmessen in Freiburg oder Erfurt fahren.

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD), selbst Katholik, wehrte sich am Freitag dagegen, eine Veranstaltung mit dem Papst nur an der Teilnehmerzahl zu messen. In Berlin seien Massenveranstaltungen bestenfalls möglich, wenn es um Sport oder Pop gehe, sagte er. „Aber es kommt auch nie auf die Masse an.“ Auch dürfe die Tatsache, dass es in Berlin „leidenschaftliche Atheisten und Papstfeinde“ gebe, nicht dazu führen, „dass der Papst und die Katholiken Angst haben“. Auch Pro-Reli-Initiator Christoph Lehmann sowie Unions-Fraktionschef Volker Kauder und andere Unions-Politiker forderten eine große öffentliche Messe in Berlin. Der Papstbesuch in der Hauptstadt solle nicht nur ein politisches, sondern auch ein religiöses Ereignis sein, sagte Kauder.

Die zusätzlichen Kosten für eine Messe müssten das Berliner Erzbistum oder die Bischofskonferenz tragen, da es sich nicht um Programmpunkte der Bundesregierung handelt (für die übernimmt der Bund die Kosten). Die Miete für das Olympiastadion beträgt 500 000 Euro. „Am Geld wird nichts scheitern“, stellt Bistumssprecher Förner klar. Die Kosten für den Besuch von Benedikt in München 2006 beliefen sich nach Kirchenangaben allein im Erzbistum München und Freising auf acht bis zehn Millionen Euro. Die Ausgaben seien für Baumaßnahmen wie eine Altarinsel auf dem Messegelände, Beschallung, Leinwände, sanitäre Anlagen angefallen. Claudia Keller

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