Papstbesuch in Berlin : Zwei mögliche Arenen für Papst Benedikt XVI.

Johannes Paul II. predigte 1996 im Olympiastadion. Auch Benedikt XVI. wird wohl dort seine Messe halten – oder in der Waldbühne.

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Großer Auftritt.
Großer Auftritt.Foto: picture-alliance / dpa

Der Papst wird am 22. September vermutlich doch im Olympiastadion mit den Berlinern und den auswärtigen Gästen eine öffentliche Messe feiern. Zumindest verdichten sich die Gerüchte dahingehend. Denn das Olympiastadion, vor allem in Kombination mit der benachbarten Waldbühne bietet einen unschlagbaren Vorteil: Flexibilität. Und Flexibilität ist für Benedikts Reiseplaner das Wort der Stunde. „Die Vorbereitung der Papst-Reise sind eher ein wachsender Prozess, der zeigt, dass wir alle stets flexibel sein müssen“, hatte Pater Hans Langendörfer, der Generalsekretär und Chef-Reiseplaner der Bischofskonferenz am Dienstag gesagt.

Die Waldbühne bietet Platz für bis zu 22 000 Besucher, das Stadion für bis zu 100 000. Man könnte aber auch nur die Hälfte des Stadions bespielen. „Beide Veranstaltungsstätten liegen unmittelbar nebeneinander“, sagte Stadionchef Joachim E. Thomas dem Tagesspiegel. „Wenn sich herausstellt, dass mehr als 22 000 Besucher zum Papst-Gottesdienst kommen wollen, kann man jederzeit und kurzfristig ins Olympiastadion wechseln.“ Das habe er der Bischofskonferenz in einem Brief Ende Februar geschrieben. Für den 22. September sei bislang keine andere Veranstaltung in der Waldbühne oder im Stadion geplant, und man wolle die Orte auch sehr gerne für den Papst reservieren, sagte Thomas.

Flexibilität ist für die Reiseplaner so wichtig, da man offenbar im Moment noch schwer einschätzen kann, wie viele Menschen zu einem Gottesdienst mit Benedikt XVI. in Berlin kommen würden. Für die anderen Reisestationen kann das die Kirche offenbar klarer umreißen. Man rechnet damit, dass am 23. September 70 000 Menschen zur Papst-Messe vor dem Erfurter Dom kommen und am 25. September in Freiburg 300 000 auf den Freiburger Flughafen.

Wie viele Papst-Fans bleiben dann noch für Berlin? Anfangs gingen Insider von höchstens 30 000 Besuchern aus. Auch aufgrund dieser Einschätzungen seien Kardinal Georg Sterzinsky und Generalvikar Ronald Rother einer Papst- Messe und erst recht einer im Olympiastadion zögerlich gegenüber gestanden, sagen Kircheninsider. Selbst Papst Johannes Paul II. konnte das Stadion 1996 nicht füllen. Obwohl er seine Messe an einem Sonntagvormittag feierte und viele polnische Freunde angereist waren, um „ihren“ Papst zu erleben.

Benedikts Reisemarschall Alberto Gasbarri hatte sich das Stadion bei seinem Besuch in Berlin Anfang Februar gar nicht erst angeschaut. Ihm hatte es die herrschaftliche Kulisse des Charlottenburger Schlosses angetan. Dort hätten bis zu 40 000 Menschen Platz, dachte man zuerst. Mittlerweile habe sich aber herausgestellt, dass man den Altar aus Sicherheitsgründen so weit vom Schloss abrücken müsste, dass der Raum davor für Besucher wesentlich kleiner würde, hieß es in Kirchenkreisen. Man könne schließlich nicht umgrenzende Bäume fällen.

Mittlerweile habe man aber etliche Hinweise bekommen, dass auch Katholiken aus anderen Bistümern zur Papst-Messe nach Berlin kommen wollen, sagte der Berliner Weihbischof Matthias Heinrich. Es könnten also doch wesentlich mehr als die anfangs geschätzten 30 000 Gäste werden. Klarheit wird man erst im Juni haben. Ab Mitte Mai können sich Interessenten für die Veranstaltungen mit dem Papst anmelden. „Wenn man sich bis dahin nicht ganz und gar festlegen müsste, wäre das natürlich optimal“, sagt ein Insider.

„Die Sicherheit ist ein zentraler Aspekt für die Wahl des Ortes“, sagte Weihbischof Heinrich am Dienstag, „die ganze Infrastruktur dafür ist im Olympiastadion gegeben“. Man wolle schließlich ein Unglück wie in Duisburg verhindern. Dort waren bei der Love-Parade im vergangenen Sommer Menschen ums Leben gekommen, weil in einem engen Tunnel eine Massenpanik ausgebrochen war.

Vielleicht verriet auch ein kleiner Versprecher, wohin die Reise gehen wird. Weihbischof Heinrich rutschte wie selbstverständlich der Halbsatz heraus: „Wenn wir dann mit dem Papst vom Stadion kommen …“. Als er es merkte, fügte er gleich an: „oder von einem anderen Ort“. Spätestens bis Ostern wolle man Klarheit haben, heißt es bei der Bischofskonferenz.

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