Papstbesuch : "Wir bereiten ein Weltereignis vor"

Bauarbeiter schrauben, schuften, fegen seit Tagen im Olympiastadion, damit der Papst auf die Bühne kann – per Lastenaufzug.

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22.09.2011 09:48Letzte Vorbereitungen in Tegel.

Früher haben leise Engel göttliche Geschehnisse angekündigt, an diesem Dienstagabend im Olympiastadion sind es laute Staubsauger, Hammerschläge und das Surren von elektrischen Schraubenziehern. Damit Papst Benedikt XVI. am Donnerstag im Olympiastadion eine Messe feiern kann, arbeiten seit Montag 150 Menschen Tag und Nacht.

Es ist 22 Uhr, Scheinwerfer tauchen das Stadion in weißes Licht. Den Blick zieht es sofort zum Marathontor, wo jetzt der mächtige Aufbau für den Altar steht. Große Blöcke, wie Treppen angeordnet, führen hinauf, um dem Aufbau ein wenig das Monumentale zu nehmen. Klopft man unten an den Sockel, klingt es hohl. Das Stahlgerüst mit der Altarbühne ist mit Spanholzplatten verkleidet.

Im Inneren des Marathontors, in den Katakomben, riecht es nach frischer Farbe und Leim. Wo sich sonst die Sportler umziehen, entsteht eine Sakristei. Die Wände wurden für den Papst neu gepinselt, jetzt verlegen Arbeiter hellgrauen Teppichboden. An den Milchglasfenstern zieht eine Frau Aufkleber mit dem Wappen des Papstes auf. Hier wird sich der 84-jährige Benedikt XVI. vor der Messe umziehen und vielleicht kurz die Beine hochlegen. Weiße Stühle und ein weißes Sofa stehen schon. „Wir haben extra einen Hocker für die Füße neben das Sofa gestellt“, sagt Joachim E. Thomas, der Geschäftsführer des Stadions.
Er hat 2005 für die katholische Kirche den Weltjugendtag in Köln organisiert. Seit einem guten Jahr ist er der Berliner Stadionchef. Er war von Anfang an dafür, dass der Papst seine Messe im Stadion feiert – nicht nur, weil er die Architektur „fantastisch“ findet und im Stadion viel Logistik vorhanden ist, die anderswo hätte aufgebaut werden müssen. Sondern auch, weil das Stadion anders als ein öffentlicher Raum nach außen abgeschlossen ist und deshalb mehr einem Kirchenraum ähnelt. Joachim E. Thomas hat sich jedenfalls nicht beirren lassen vom Zaudern im Erzbistum und Naserümpfen des päpstlichen Reisemarschalls, er hat den 22. September im Stadionkalender frei gehalten. Er hat immer daran geglaubt, dass die Messe hier stattfinden wird.

Neben der improvisierten Sakristei wurde ein Fahrstuhl eingebaut. Es ist ein normaler Bauaufzug. Mit weißem Stoff ausgekleidet wirkt er etwas edler und wartet nun auf seinen besonderen Einsatz: Er wird den Heiligen Vater nach oben auf die Altarbühne befördern. Wenn es ruckelt, kann sich der Papst gegen die Fahrstuhlwand lehnen, aber er wird sowieso nicht alleine sein. Vermutlich werden Erzbischof Rainer Woelki oder Kardinalstaatssekretär Tercisio Bertone bei ihm sein, außerdem der päpstliche Leibarzt. Damit es nicht so aussieht, als käme der Papst oben wie Kai aus der Kiste, hat man den Fahrstuhl mit Sperrholzwänden abgeschirmt. Er wird nicht zu sehen sein. Der Papst wird einfach von hinten auf die Bühne hinaustreten.

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