Berlin : Papstbesuch

Martin Gehlen

Das neue Buch von Hans Küng hat bereits Geschichte gemacht. Ende September wurde der prominente Papstkritiker von seinem langjährigen Widersacher Joseph Ratzinger, dem heutigen Papst Benedikt XVI., zu einer mehrstündigen Privataudienz in Castelgandolfo empfangen. Mit ausschlaggebend für diesen Aufsehen erregenden Schritt des katholischen Oberhaupts war Küngs jüngstes Werk, dem der Papst ausdrücklich bescheinigte, den Dialog zwischen Glaube und Naturwissenschaft neu zu beleben. Der Tübinger Theologe, dem die katholische Kirche vor einem Vierteljahrhundert die Lehrerlaubnis entzogen hat, nähert sich dem Thema auf drei Ebenen. Er zeichnet die wichtigsten Ergebnisse naturwissenschaftlicher Forschungen nach, ebenso die konfliktreiche Auseinandersetzung zwischen Kirche und Forschung – angefangen bei Kopernikus und Galileo über die Kosmologie, die Evolutionstheorie bis hin zur Hirnforschung.

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Gegen die wissenschaftlichen Einsichten entwickelt Küng die Perspektive des Glaubens. Dabei vermeidet er, falsche Gegensätze aufzubauen und ideologische Zerrbilder zu bedienen – auch weil er immer wieder darauf pocht, die Ebenen des Denkens nicht zu vermischen. So schildert er bei dem aktuellen Thema Weltschöpfung oder Evolution, was die kreationistische Öffentlichkeit in den USA bewegt, aber auch welche Abwege die Diskussion inzwischen genommen hat. Die Bibel dagegen will in ihrem Schöpfungsbericht nicht einen Kern des naturwissenschaftlich Beweisbaren herausarbeiten. Ihr geht es stattdessen um das „für Glauben und Leben Unverzichtbare“.

Hans Küng: Der Anfang aller Dinge. Naturwissenschaft und Religion. Piper Verlag, München. 247 Seiten, 18,90 €.

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