Papstfilmkulisse aus der Region : Der Berliner Vatikan

Die Papst-Komödie „Habemus Papam“ mit Michel Piccoli wurde in Rom gedreht, die Kulisse der Sixtinischen Kapelle aber stammt aus Stahnsdorf bei Berlin.

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Auch Michelangelos "Jüngstes Gericht", das in der großen Konklaveszene im "Habemus Papam" zu sehen ist, kommt frisch gedruckt aus Stahnsdorf bei Berlin. Foto: promo
Auch Michelangelos "Jüngstes Gericht", das in der großen Konklaveszene im "Habemus Papam" zu sehen ist, kommt frisch gedruckt aus...Foto: promo

Das „Jüngste Gericht“ schleppte sich dahin, er hatte es so gewollt. Ein Menschengewimmel von einigen hundert Figuren, im Zentrum Christus, der Weltenrichter, der sie trennt in Erwählte und Verdammte. Die Decke der Sixtinischen Kapelle hatte Michelangelo 20 Jahre zuvor bemalt, nun war die Wand hinterm Altar dran, über 200 Quadratmeter, schon mit Gehilfen eine Knochenarbeit, er aber arbeitete daran weitgehend allein – von 1535 bis 1541.

So viele Jahre für eine einzige Wand? Das geht auch schneller. Bei der Stahnsdorfer Firma Big Image Systems schaffen die vier Sprühpistolen des größten Airbrush-Printers rund ein Drittel der Fläche in zweieinhalb Stunden. Den muss man sich als riesigen rotierenden Zylinder vorstellen, auf den eine 12 mal 6,3 Meter große Bahn aus Baumwollstoff gespannt ist. Die Batterie der vier vertikal angeordneten Düsen, je eine für Rot, Blau, Gelb und Schwarz, wandert nun langsam, im Abstand weniger Zentimeter, an der Stoffbahn vorbei, von links nach rechts, hinterlässt ein durch die Sprühtechnik leicht verschwommenes Bild, eine Unschärfe, die aus der Ferne betrachtet nicht auffällt.

Schon gar nicht in einem Film wie Nanni Morettis „Habemus Papam“ mit Michel Piccoli in der Titelrolle, die Geschichte eines Kardinals, der zum Papst gewählt wird und darüber in Panik gerät. Die soeben in den Kinos gestartete Komödie war am vergangenen Wochenende bei der Gala zum Europäischen Filmpreis auch für das Szenenbild von Paola Bizzarri nominiert. Ohne den Beitrag des in einem Gewerbepark an der Ruhlsdorfer Straße ansässigen Unternehmens wäre das kaum möglich gewesen. Denn die Sixtinische Kapelle, als Ort des Konklaves der Papstwahl für die Filmhandlung zentral und im römischen Filmstudio-Komplex Cinecittà aufgebaut, stammt samt Nebenräumen aus Stahnsdorf.

Von Stahnsdorf nach Cinecittà. Fresken, Vorhänge und selbst der Fußboden der Sixtinischen Kapelle wurden von Big Image Systems gedruckt und für den Filmdreh nach Rom geschickt. Foto: promo
Von Stahnsdorf nach Cinecittà. Fresken, Vorhänge und selbst der Fußboden der Sixtinischen Kapelle wurden von Big Image Systems...Foto: promo

In dem dortigen, Green Park genannten Areal erwartet man alles Mögliche, aber garantiert keinen Glamour oder gar die Pracht des Vatikan. Und doch war dort schon Roman Polanski zu Gast, als er seinen Film „Der Pianist“ vorbereitete, auch Roland Emmerich hatte sich für „Anonymus“ der Stahnsdorfer Fertigkeiten bedient, Katharina Thalbach für die Wannseepyramide ihrer „Zauberflöte“, und derzeit tun es Tom Tykwer und die Wachowski-Brüder für den „Wolkenatlas“.

Lesen Sie auf der nächsten Seite mehr darüber, wie Big Image Systems arbeitet.

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