Berlin : Parade für Schewtschenko & Co.

Ukrainer bezogen Quartier in Potsdam – die einzige ostdeutsche Stadt, die ein WM-Team beherbergt

Claus-Dieter Steyer

„Stillgestanden!“, lautete das wichtigste Kommando zum Empfang der ukrainischen Nationalmannschaft gestern Nachmittag in Potsdam. Die Männer am Eingang zum Hotel „Seminaris“ an der Havel streckten sich in die Höhe und wurden damit noch größer – dabei müssen Mitglieder des Traditionsvereins der „Langen Kerls“ schon eine Körperlänge von mindestens 1,90 Meter aufweisen. Doch bevor die ukrainischen Spieler um Stürmerstar Andrej Schewtschenko die kleine Parade der kostümierten Garde eher lächelnd abnahmen, schienen die Männern noch um einige Zentimeter gewachsen zu sein. So einen Auftritt gibt es schließlich nicht alle Tage.

Auch Ministerpräsident Matthias Platzeck und Oberbürgermeister Jann Jakobs ließen sich die Gelegenheit zum Willkommensgruß nicht entgehen. Schließlich hat es Potsdam als einzige ostdeutsche Stadt geschafft, eine ausländische WM-Mannschaft während des Turniers zu beherbergen. „Wir drücken der ukrainischen Mannschaft die Daumen, dass sie es bis zum Finale schafft“, sagte Platzeck. „Hoffentlich ist dann Deutschland der Gegner.“ Oberbürgermeister Jann Jakobs versicherte, dass die Stadt für optimale Bedingungen während des gesamten Aufenthaltes sorgen werde.

Vorsichtshalber haben die Ukrainer die 70 Zimmer bis zum Halbfinale gebucht. „Wenn sie wirklich ins Finale kommen, wären die zusätzlichen Tage aber auch kein Problem“, meinte Hoteldirektor Hartmut Pirl. Für die Mannschaft sei ein ganzer Flügel in dem vor acht Jahren eröffneten Gebäudekomplex frei geräumt worden. Dort könne sich die Mannschaft ungestört auf ihre Spiele vorbereiten. Trotz der besonderen Gäste läuft der Hotelbetrieb in dem insgesamt 225 Zimmer großen Haus fast ungestört weiter. Nur ein Sicherheitsdienst schirmt die Fußballer von allzu aufdringlichen Fans ab.

In der Küche hängen jetzt Listen mit der ukrainischen Übersetzung diverser Speisezutaten. Küchenchef Manuel Eich freute sich schon auf die „Herausforderung“, für die Nationalkicker da zu sein. Er wird mit dem Koch der Nationalmannschaft die Speisen vorbereiten. Trainer Oleg Blochin, der gestern als einer der letzten Gäste das Hotel betrat und beim traditionellen Begrüßungszeremoniell Brot und Salz kostete, bekam „eine große Suite mit Raucherlaubnis“. Das Trainingsgelände befindet sich nur wenige Minuten entfernt. Im Stadion Luftschiffhafen findet heute ab 18 Uhr das einzige öffentliche Training statt. Erwartet werden dazu mehrere Tausend Zuschauer. Gestern Abend jubelten schon mal 1500 Fans während des WM-Eröffnungsspiels vor der Leinwand am Brandenburger Tor in Potsdam.

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