Berlin : Paris auf Deutsch

Für seine neue CD hat Götz Alsmann französische Chansons übersetzt – weil er die Sprache schön findet. Im Januar kommt er damit nach Berlin

 Eva Kalwa
Retro-Liebhaber. Nicht nur seine Frisur ist eher altmodisch, auch musikalisch und vor allem sprachlich gibt sich Götz Alsmann gern traditionell. Foto: promo
Retro-Liebhaber. Nicht nur seine Frisur ist eher altmodisch, auch musikalisch und vor allem sprachlich gibt sich Götz Alsmann gern...

Götz Alsmann spielt mit geschlossenen Augen, den Kopf leicht geneigt, als lausche er außer auf sein eigenes Lied noch auf etwas anderes, ein Geheimnis jenseits der Worte und Melodie. „Wie schön ist die Nacht, die Welt ist wie ein Traum“, singt Alsmann mit zärtlicher Stimme und man möchte es ihm glauben. Sich entführen lassen aus dem vierten Stock des Admiralspalasts, wo Alsmann mit seiner Haartolle und im beigefarbenen Anzug vor dem schwarzen Flügel sitzt, und hineintauchen in „La mer“, Charles Trenets populäre Komposition über das Meer. Zusammen mit 14 anderen aus dem Französischen ins Deutsche übertragenen Chansons aus den 30er bis 60er Jahren findet sich das Lied auf Alsmanns neuem Studioalbum „In Paris“, das am 21. Oktober erscheint. Seine Tournee „Paris!“ führt den 54-jährigen TV- und Radiomoderator, Sänger und Musiker Ende Januar 2012 auch nach Berlin in den Admiralspalast.

Das Album habe er im April mit fünf Musikern im legendären Pariser Studio Ferber aufgenommen, erzählt Alsmann beim Pressetermin im Admiralspalast. Er schwärmt von der authentischen Atmosphäre der Studios, ihrem hervorragenden Klang und der Arbeitsweise der französischen Tontechniker, die Stimme viel mehr als sonst üblich in den Vordergrund der Arrangements stellen. Und noch etwas hat es Alsmann angetan: „Da gab es ein altes Sofa, das einst Serge Gainsbourg ins Studio gebracht hat. Das Sofa sieht inzwischen aus wie Sperrmüll, aber wir haben es geliebt“, erzählt Alsmann mit seinem breiten Jungenlächeln, bevor er wieder in die Tasten greift.

Als Appetithappen auf die CD und sein Programm spielt er unter anderen die Interpretation von Dalidas „Aime-moi“ als „Liebe mich“ und Henri Salvadors „Le petit indien“, das bei Alsmann zu „Der Junge im Boot“ wurde. Es ist eines von vier Liedern, die Alsmann selbst ins Deutsche übersetzt hat.

Götz Alsmann interpretiert diese Lieder mit traumverlorener Zartheit. Nur das Deutsche ist ungewohnt. Warum wollte er die Chansons, diese liebevoll-romantischen Hymnen auf das Leben im Allgemeinen und Paris im Besonderen, nicht in ihrer ursprünglichen Sprache präsentieren? Auf diese Frage antwortet Alsmann, sowieso ein leidenschaftlicher Erzähler, besonders lang. „Es scheint vielen Menschen peinlich zu sein, auf Deutsch von der Liebe, der Sonne oder dem Meer zu singen. Mir ist das nicht peinlich“, sagt er.

Das gilt auch fürs Englische. Manchmal fragen ihn Freunde Dinge wie: „Fährst du mit der ganzen ,family’ in den Urlaub?“ Allein bei der Vorstellung daran verzieht Götz Alsmann pikiert das Gesicht. Er antwortet dann: „Ja, ich fahre mit der ganzen Familie.“ Keine Frage, was für ihn schöner klingt.

Paris! 27. und 28. Januar 2012, 20 Uhr. Admiralspalast. Tickets 17,50–39,70 Euro. www.berlin-tickets.de.

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