Paris Moskau : Abgebaggert

Das Restaurant „Paris Moskau“ ist seine Terrasse los. An ihrer Stelle klafft nun ein großes Loch. Dort soll eine Ministeriumstiefgarage entstehen – im Frühjahr 2011.

Silke Siebs
Kein Sommersitz.
Kein Sommersitz.

Wenn Wolfram Ritschl morgens sein Restaurant betritt, macht sich eine gewisse Beklemmung bei ihm breit. „Es dauerte einige Zeit, bis ich wieder dort hinschauen konnte, wo noch vor kurzem meine alte Terrasse war“, sagt der Inhaber des Restaurants „Paris Moskau“, das sich zwischen dem Kanzleramt und den Altbauquartieren Moabits befindet. Dort, wo sich seit vielen Jahren an warmen Tagen die Gäste zum Biertrinken trafen, klafft nun ein riesiges Loch.

Am 5. Juli musste die Terrasse den Baggern weichen. Dort entsteht die Tiefgarage des neuen Bundesinnenministeriums – Baubeginn ist allerdings erst im kommenden Frühjahr. Der künftige Nachbar hat Ritschl schon manche Sorge bereitet. „Ich habe mich noch nie über das Bauprojekt beschwert, dennoch muss ich auch an meine Existenz denken“, sagt der Inhaber. Und die wird in Ritschls Augen von der Planung des Ministeriums immer wieder gefährdet.

Erst bekam er am 8. März eine Kündigung von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Durch die Hilfe von befreundeten Politikern konnte er die Kündigung abwenden und unterschrieb nur elf Tage später einen neuen Vertrag über die nächsten 30 Jahre. Doch die Freude darüber hielt nicht lange an.

Der Betreiber des 114 Jahre alten Gebäudes schätzt, dass ihm durch den Verlust der Terrasse in diesem Sommer ein Verlust von etwa 50 000 Euro entsteht. Provisorisch richtete der Gastronom daher die Terrasse an der Ostseite des Restaurants für seine Gäste her. Doch auch die muss er spätestens am 17. August wieder räumen, da dann auch dieser Außenbereich abgebaggert wird.

„Dort wird dann in den Hang der Straße ein aufwendiger Keller gebaut, der dann allerdings zu meiner Nutzung zur Verfügung steht“, Wolfram Ritschl. Allerdings versteht der Gastronom die eilige Räumung seiner Terrasse nicht. „Baubeginn ist doch erst Frühjahr 2011“, klagt Ritschl: „Ich verstehe nicht, warum mir immer wieder Steine in den Weg gelegt werden.“

Anita Panke von der Bundesanstalt für Bauwesen und Raumordnung, die den Ministeriumsneubau plant, erklärt das so: „Wir konnten nicht warten, weil die Rohbauarbeiten noch vor dem Winter abgeschlossen sein müssen.“ Jede Verzögerung der Baumaßnahme würde außerdem eine Beeinträchtigung der Außengastronomie in der Saison 2011 nach sich ziehen. Zudem würde eine spätere Fertigstellung des Ersatzlagerraumes die Baustellenlogistik des Neubaus behindern.

Als Alternative hat Ritschl derzeit Tische und Stühle auf die Straße gestellt. Wenig versöhnlich zeigt sich Ritschl auch im Hinblick auf die Zukunft. Dabei soll er nach Fertigstellung des Innenministeriums wieder zwei neue, sogar noch größere Terrassen bekommen, allerdings gefallen dem Inhaber des zweitältesten Bauwerks im Regierungsviertel die Pläne überhaupt nicht. „Die Gäste sitzen dann bei mir wie auf einem Tablett. Die schöne Atmosphäre mit Lorbeerblättern und Efeuranken ist aber für immer passé.“

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