Pariser Platz : Die US-Flagge ist gehisst

In der neuen Botschaft wird gearbeitet - vor der alten rollt künftig der Verkehr.

Werner Kurzlechner
Adler
Der Botschafter der USA in Deutschland, William R. Timken (r.), und der scheidende sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt...Foto: ddp

Am Mittag schrubbten noch schnell zwei Arbeiter das gläserne Vordach der neuen US-Botschaft. Kurz danach kurbelte ein Mann auch schon die Stars-and-Stripes- Flagge an die Spitze des Mastes über dem Eingangsportal. Damit weht nun endgültig wieder die US-Fahne am Pariser Platz – pünktlich zum ersten Arbeitstag von Botschafter William R. Timken, der ab heute in den neuen Büros am Brandenburger Tor seinem Job nachgeht.

„Der Umzug ist wunderbar verlaufen“, sagte Jörg Schönknecht-Gruban, der verantwortliche Logistiker in Diensten der Botschaft. Planmäßig war das alte Quartier an der Neustädtischen Kirchstraße bereits am Sonnabend geräumt worden. „Wie viele Kisten wir schleppten, habe ich nicht gezählt“, so Schönknecht-Gruban. Es werden viele gewesen sein, sehr viele sogar, denn im 83 Millionen Euro teuren Neubau des kalifornischen Architektenbüros Moore Ruble Yudell arbeiten künftig 250 Menschen.

Völlig vorbei war der Druck für den Logistiker am letzten Umzugstag nicht. Vor allem nicht in jener halben Stunde, in der eine Handvoll Umzugshelfer eine 80 Zentimeter breite und zwei Meter hohe Glasvitrine vergeblich durch die schmale Eingangstür zu bugsieren versuchten. Nach einiger Tüftelei und Millimeterarbeit gelang dann doch noch das Untergefangen, das den wichtigsten Programmpunkt an diesem Montag erst ermöglichte: das Aufstellen eines Weißkopfadlers aus Meißner Porzellan im Foyer. Dafür war Sachsens scheidender Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) nach Berlin gereist. Er wohnte allerdings nur einem Vorspiel bei: Denn erst am 4. Juli, dem amerikanischen Unabhängigkeitstag, werden Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der ehemalige US-Präsident George Bush senior den Neubau offiziell eröffnen.

Die Botschaftsmitarbeiter beziehen heute ihre Räume, weil der gestrige Montag in den Vereinigten Staaten ein gesetzlicher Feiertag war – nämlich „Memorial Day“. Ihr neues Domizil ist durch einen 25 Meter breiten Sicherheitsstreifen geschützt. Zur Ebertstraße und zur Behrenstraße, die in Richtung Holocaust-Mahnmal verschoben wurde, schirmen sowohl ein Sicherheitszaun als auch eine Pollerreihe das Gebäude ab. Zum Pariser Platz ist der Zugang ebenfalls durch Poller abgesperrt.

Das alte Botschaftsgebäude an der Neustädtischen Kirchstraße steht somit leer – und bleibt nicht länger Hochsicherheitstrakt. Die US-Botschaft, die dort schon zu DDR-Zeiten saß, verhandelt derzeit mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben über eine Rückgabe des Baus. „Ein genauer Termin dafür steht noch nicht fest“, so Guido Déus, Sprecher der Bundesanstalt. „Nach der Übergabe müssen wir auch erst einmal prüfen, ob sich die Immobilie für Zwecke des Bundes eignet.“ Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung plant, die Neustädtische Kirchstraße künftig für den Verkehr freizugeben. Man müsse allerdings warten, bis die Poller abgetragen seien. Und das liegt alleine im Ermessen der USA.

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Gut geputzt und gut bewacht. Heute arbeiten die 250 Angestellten erstmals in der neuen US-Botschaft am Pariser Platz. Die...
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