Pariser Platz : Endlich wieder schön

Nach Jahren der U-Bahn-Buddelei fallen am Pariser Platz die Hüllen: Berlins nobles Wohnzimmer präsentiert sich nun wieder frei von Kränen, Baucontainern und Betonmischern.

Lothar Heinke
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Freie Blicke. Jahrelang guckte Raffaele Sorrentino vom Hotel Adlon auf Kräne und Bauarbeiter, bald nicht mehr. Fotos: Kitty...

BerlinAm Pariser Platz fallen die Hüllen: Berlins nobles Wohnzimmer präsentiert sich nun wieder frei von Kränen, Baucontainern und Betonmischern. Nur eine blaue Plane verdeckt noch die neuen Eingänge zum U-Bahnhof Brandenburger Tor. Am Donnerstag und Freitag werden acht U-Bahn-Wagen nahe dem Hauptbahnhof in die Tiefe gesenkt und auf die Gleise gehoben, und am 8. August wird die vorläufige Endstation der U 55 eröffnet. Die Vorfreude ist groß.

„Auch wir werden dieses Ereignis feiern – mit Champagner und Currywurst auf der Terrasse am Pariser Platz“, sagt Sabine Kalkmann vom Hotel Adlon. „Mindestens dreißig Mal am Tag“ mussten die Doormen am Eingang auf die Fragen antworten, was da hinter dem Bauzaun eigentlich geschehe. „Die meisten Gäste, auch die mit dem Blick auf die Straße Unter den Linden oder die Prominenz in den Präsidentensuiten, hatten Verständnis für die Bauerei, zumal das alles recht geräuschlos ablief“, sagt Chef-Concierge Raffaele Sorrentino.

Die BVG hatte die Adlon-Leute mehrmals auf den 17 Meter tief gelegenen Bahnhof zur Baustellenbesichtigung eingeladen, Sorrentino revanchierte sich mit Führungen durch das Hotel. „Trotz der Baustelle, die ja schon zur Fußball-WM 2006 erledigt sein sollte, bestanden viele unserer Gäste auf den Blick zu den Linden oder auf den Pariser Platz.“ Und der ist ohne diese Baustelle nun endlich komplett – „ein Platz der Lebensfreude, für mich der schönste Ort Berlins“, sagt der Concierge. Das Adlon wird demnächst mit dem U-Bahn-Anschluss werben. „Wir haben nun nicht mehr nur die S-Bahn vorm Haus – aus der U-Bahn fallen die Gäste direkt ins Adlon, wenn sie vom Hauptbahnhof kommen, und das sind nicht wenige Stammgäste, die bei uns von Montag bis Freitag wohnen und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren.“

Ein großer, gläserner Fahrstuhl ragt am nördlichen Zugang zum neuen U-Bahnhof aus der Erde. „Wir haben streng darauf geachtet, dass dieser Aufzug nicht in der Mittelachse jenen freien Blick verstellt, den Friedrich der Große aufs Brandenburger Tor hatte, wenn er vom Schloss kam“, sagt der Chef der Gartendenkmalpflege, Klaus von Krosigk. Momentan ist das Umfeld noch mit einer schwarzen Teerfläche bedeckt. „Das haben die gemacht, weil Angela Merkel zur Eröffnung kommt“, sagt die Verkäuferin im Tourist-Point nebenan bedeutungsvoll, „endlich, endlich kann man wieder durchs Tor bis zur Siegessäule gucken, weit sehen und gesehen werden.“ Auch Hape Krekel vom Europahaus an der Ecke Wilhelmstraße freut sich über das neue Pariser-Platz-Gefühl: nach fünf Jahren ein freier Blick. So lange hatten sie eine blaue Plane vor der Tür, „manche dachten schon, das sei Kunst“.

Klaus von Krosigk ist überzeugt davon, dass die BVG den alten Zustand am Ende der „Linden“ bald wiederherstellt: Es wird eine durchgepflasterte Promenade geben, und auch die Bäume zu beiden Seiten kommen wieder, acht Meter hoch: Kaiserlinden. Lothar Heinke

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