Parkautomaten in Berlin : Zerstören statt zahlen

Mutwillig beschädigte Parkscheinautomaten kosten die Bezirke Zehntausende Euro. Silvester ist ein großes Problem aber auch die Hunde in der Stadt sind ein Problem.

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Parkscheinautomaten in Berlin.
Parkscheinautomaten in Berlin.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Zerkratzte Displays, zugeklebte Münzschlitze, zerstörte Solarfelder, Schäden durch Silvesterböller – regelmäßig werden die Parkscheinautomaten in der Stadt beschädigt oder gar zerstört. „140 Parkscheinautomaten mit Totalschaden seit 2009“, meldet das Bezirksamt Mitte, alleine elf nach dem diesjährigen Jahreswechsel. Deswegen sollen die Automaten künftig flächendeckend mit einem Silvesterschutz abgedeckt werden, bisher wird das nicht bei allen getan. Die häufigsten Schäden seien entstanden durch Silvesterböller, die die Elektronik zerstören, sonstigen Vandalismus sowie durch Aufbruchversuche. Besonders betroffen sei die Parkzone 38, die Rosenthaler Vorstadt, der Bereich zwischen Brunnenstraße im Westen, Prenzlauer Allee im Osten und Torstraße im Süden.

Doch Zerstörungswütige machen sich im gesamten Bereich der Parkraumbewirtschaftung an den insgesamt 1200 Automaten in Mitte zu schaffen. jährlicher Schaden allein in dem Bezirk: 50.000 Euro. Ein Automat kostet in Mitte etwa 3500 Euro, in Pankow 2500 und in Friedrichshain-Kreuzberg 4000 Euro. Die Preise richten sich nach Ausstattung und Bestellmenge. Wenn möglich, tausche die Betreiberfirma die defekten Teile gegen Ersatzteile aus, teilte das Bezirksamt Mitte mit. Bei Totalschaden werde auf Reservegeräte aus dem Lager zurückgegriffen oder es würden neue bestellt. Die Kosten trage der Betreiber, die Firma Q-Park, dafür bekomme sie vom Bezirk aber eine monatliche Pauschale. Wie hoch diese ist, war nicht zu erfahren. Auch Friedrichshain-Kreuzberg zahlt für die Schäden über den Vertrag mit dem Betreiber mit. 38.000 Euro betrug der Schaden im vergangenen Jahr an den 124 Automaten im Bezirk. Nahezu die Hälfte sei nach dem Jahreswechsel zustandegekommen, teilte das Bezirksamt mit. Graffiti und Aufkleber würden überall vorkommen, verklebte Münzeinwurfschlitze und beschädigte Rückgabefächer seien in der Zone 30, das ist der Osten des Samariterkiezes in Friedrichshain, problematischer als anderswo.

In Steglitz-Zehlendorf, wo 231 Automaten zu je 3000 Euro stehen, stellt Verkehrsstadtrat Michael Karnetzki (SPD) neben Graffiti und Einbruchsversuchen ein ganz anderes Problem fest: „Urin von Vierbeinern, welches die Gehäuse der Automaten zum Rosten bringt, wodurch die Standfestigkeit irgendwann nicht mehr gegeben ist.“ An Silvester sei dank eines Silvesterschutzes und der Außerbetriebnahme der Geräte kaum Schaden entstanden – lediglich zwei Automaten seien zum Jahreswechsel beschädigt worden. Die Kosten dafür trage der Bezirk. „Es gibt keine Versicherung, welche solche Schäden an den Automaten übernehmen würde“, sagt Karnetzki. Der Bezirk nahm im vergangenen Jahr 1,6 Millionen Euro durch die Automaten ein.

In Pankow muss der Bezirk für sämtliche Schäden an den bisher 450 Automaten aufkommen, er bekommt Rechnungen vom Betreiber zugeschickt, sagte Stadtrat Torsten Kühne (CDU). Vandalismus kostete den Bezirk im vergangenen Jahr 25.800 Euro zusammen. Die meisten Schäden gibt es auch in Pankow nach Silvester, nach dem diesjährigen Jahreswechsel waren es elf beschädigte Automaten und ein total zerstörter. Im Vergleich zu den Anfangsmonaten habe sich die Situation gebessert, sagte Kühne, vor allem in den Randgebieten sind offenbar weniger Zerstörwütige unterwegs. Versichert sind die Automaten nicht. Die Kosten dafür stünden „in keinem Verhältnis zu den potenziellen Schäden“, sagte Kühne. Und während in Mitte Diebe durchaus auf das Geld in den Geräten aus sind, sei in Pankow erst ein solcher Versuch bemerkt worden. Etwa 300 Euro seien im Schnitt in den Automaten. Vor zwei Jahren konnte in Mitte zwei Diebe beim Knacken eines Automaten ertappt werden. Ein solcher Erfolg ist die Ausnahme.

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