Berlin : Parkgeier

Gerd Appenzeller

VON TAG ZU TAG

hat mal nachgerechnet, was Parken kostet

Früher war das Parken in der Innenstadt von Berlin einmal gratis. Das waren paradiesische Zustände, zum Beispiel für die Verkäuferinnen und Verkäufer der Geschäfte am Kurfürstendamm. Die trafen morgens als Erste mit ihren Autos ein, und die Kunden, die später kamen, mussten dann in die Parkhäuser und zahlen. Damit war’s irgendwann vorbei, außer zur Nacht für die Anwohner, und das war eigentlich ziemlich gerecht. Seitdem kostet in Berlin, wie in allen anderen deutschen Kommunen, das Parken in den Innenstädten Geld. So ein Vergnügen kann man billig haben oder teuer. Die Tiefgarage des Hotel Adlon am Pariser Platz zum Beispiel steht jedem offen, aber Parken in unmittelbarer Nähe des Brandenburger Tores ist nicht ganz preiswert. Das versteht man.

Der Los-Angeles-Platz, nahe der Gedächtniskirche, ist nicht ganz so exklusiv, aber auch sehr schön. Dort gibt es auch eine Tiefgarage. In der herrschen die Parkgeier. Nicht, weil der Zoo so nahe ist, nein, im übertragenen Sinne, wegen der Preisgestaltung. An einem Montag parkte der Kunde eines benachbarten Sportgeschäfts sein Auto dort. Der Einkauf war schnell erledigt, nach acht Minuten steckte der Mann sein Parkticket wieder in den Automaten – und wurde aufgefordert, 2,10 Euro zu zahlen. Auf die Stunde umgerechnet, sind das 15,75 Euro, oder, für die Älteren unter uns, 31,50 DM. Vermutlich wäre der Strafzettel für das Parken in der zweiten Reihe günstiger gewesen, aber als Berliner will man ja kein schlechtes Beispiel geben. Dann fällt man eben unter die Geier. Aber die Formulierung ist den Tieren gegenüber eigentlich unfair. Denn genau betrachtet ist man ja unter die Räuber gefallen.

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