Parkplätze : Eine Brötchentaste ist nicht genug

Die Händler in Spandau-Wilhelmstadt fürchten Verluste. Jetzt fällt auch ihr Straßenfest aus.

Rainer W. During

Lange schon fühlen sich die Geschäftsleute in der Spandauer Wilhelmstadt vernachlässigt. Jetzt eskaliert ein Streit zwischen deren Interessengemeinschaft mit der Marketinggesellschaft „Partner für Spandau“, die den gesamten Bezirk vermarkten soll. Denn das alljährliche Straßenfest in der Wilhelmstadt muss in diesem Jahr ausfallen.

Der mittlerweile als Problemkiez eingestufte Ortsteil sieht sich gegenüber der Altstadt benachteiligt. „Vom Aufwärtstrend ist hier nichts zu spüren“, klagt Ingo Schlechtweg, der die IG Wilhelmstadt seit neun Jahren leitet. Ende 2004 wurde zum Beispiel die Buslinie 134 aus der Pichelsdorfer Straße abgezogen, seither seien die Umsätze der Geschäfte um rund 15 Prozent zurückgegangen. Viele alteingesessene Ladenbesitzer hätten bereits das Handtuch geworfen. Auch die Wohnungsbaugesellschaft GSW achte nicht mehr auf einen ausgewogenen Mietermix, seitdem sie 2004 an amerikanische Investoren verkauft worden sei.

Die von den Bezirksverordneten erhobene Forderung nach einem Quartiersmanagement hat der Senat bisher abgelehnt. „Spandau besteht nicht nur aus der Altstadt“, sagt Ingo Schlechtweg. Doch bis auf die Einführung der „Brötchentaste“, die 15 Minuten gebührenfreies Parken ermöglicht, habe die Politik nichts für die Wilhelmstadt getan.

Zu den wenigen Highlights im Kiez gehörte das Straßenfest. Finanziert wurde es aus den Überschüssen des von „Partner für Spandau“ organisierten Havelfestes. Als Ko-Veranstalter zeichnete die IG Wilhelmstadt hier stets für den Teil südlich des Rathauses verantwortlich. Doch in diesem Jahr wurde man ausgebootet, sagt Schlechtweg. Als er nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt in sein Büro zurückgekehrt sei, hätte Partner-Chef Sven-Uwe Dettmann die von der IG mit der Durchführung des Havelfestes beauftragte Firma selbst verpflichtet. Daraufhin gingen der Interessengemeinschaft Einnahmen verloren. Laut Schlechtweg zuvor unterzeichnete Verträge sollen auf dem Postweg verschwunden sein.

Schlechtweg wirft den Partnern und ihrem Mehrheitsgesellschafter, der Geschäftsleute-Vereinigung Wirtschaftshof, vor, sich nur auf die Belange der Altstadt zu konzentrieren. Damit nicht genug, er sieht den Versuch, konkurrierende Organisationen, die ehrenamtlich arbeiten, „plattzumachen“. Dettmann von Partner für Spandau wirft der IG umgekehrt vor, entgegen getroffener Absprachen einen Fremdveranstalter eingeschaltet zu haben. Dass er diesen dann selbst beauftragt hat, stört ihn nicht: „Ich kann mir aussuchen, mit wem ich zusammenarbeite.“ Den Wilhelmstädter Verein hat der Einnahmeverlust in finanzielle Bedrängnis gebracht, jetzt streiten die Juristen über Schadensersatzansprüche.

„Die noch Geld haben, ziehen weg“, sagt Elke Seidel, die mit ihrem Ehemann seit 1954 in der wilhelmstädter Adamstraße ein Geschäft für Eisenwaren, Haushalts-, Garten- und Geschenkartikel betreibt. Doch nicht jeder lässt sich von der negativen Stimmung anstecken. „Wenn alle so denken, kann man hier bald die Bürgersteige hochklappen“, sagt Diana Kalisch. Ganz entgegen dem Trend hat sie vor wenigen Monaten zusammen mit ihrer Tochter in der Pichelsdorfer Straße den „Schoko-Engel“ eröffnet. Hier gibt es exklusive Geschenke aus edler Schokolade. Das Geschäft ist besser angelaufen als erwartet, freut sich die Unternehmerin. Rainer W. During

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