Parkplatzsuche in Berlin : Warum Parkausweise für Anwohner nicht versteigern?

Anwohnerparkausweise sind eine blödsinnige Subvention für Wohlhabende in Berlin. Eine Versteigerung brächte viel Geld und mehr freie Parkplätze, meint unsere Kolumnistin.

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Ganz schön voll hier. Die Parkplatzsuche ist in vielen Stadtteilen ein permanentes Ärgernis.
Ganz schön voll hier. Die Parkplatzsuche ist in vielen Stadtteilen ein permanentes Ärgernis.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Immer noch gelten Anwohnerparkausweise in Großstädten als soziale Errungenschaft. Wer die Bewohnergebühr erhöhen will, muss sich auf wütenden Protest gefasst machen. Es sei ungerecht, Bürgern zusätzliche Lasten aufzubürden, die ohnehin schon den ganzen Stress wegen der Auto-Touristen und Shopping-Besucher ertragen müssten. Deshalb sind die Ausweise heilig. Dabei gibt es kaum eine blödsinnigere Art, die wohlhabende Mittelschicht zu subventionieren. Bezahlt werden die Freiluftparkplätze im Zentrum, deren Einrichtung und Reinigung nämlich auch von denen, die entweder zu arm für ein Auto sind oder irgendwo wohnen, wo andere nicht einmal parken wollen.

Berlin bewirtschaftet zurzeit rund 100.000 Parkplätze. Anwohner in Stadtvierteln wie Mitte, Prenzlauer Berg, Charlottenburg und Wilmersdorf können einen Parkausweis für zehn Euro im Jahr bekommen. Für private Stellplätze in Hinterhöfen oder Tiefgaragen werden dagegen zwischen 60 Euro (Mauerpark), 112 Euro (Jägerstraße/Gendarmenmarkt) und 232,05 Euro (Walter-Benjamin-Platz) monatlich fällig. Würde man für die Parkplätze auf der Straße 60 Euro im Monat verlangen, könnte man mit 72 Millionen Euro mehr planen. Würde man die Anwohnerparkausweise sogar versteigern, käme ein Mehrfaches zusammen. Geld, für das man Parks pflegen, Schultoiletten reparieren oder ein Sommerschwimmbad an der Museumsinsel bauen könnte.

Zu neoliberal gedacht? Da stellt sich noch eine Frage

Jeder würde überlegen, welchen Parkplatz er braucht. Den in der Jägerstraße für rund 1000 Euro oder den nur zwei Kilometer entfernten an der Straße des 17. Juni, der wenig oder gar nichts kosten würde. Wer das Auto nicht oft braucht, würde auf billigere Plätze ausweichen. Man würde darüber nachdenken, sich den Ausweis zu teilen. Die Folge: Autos würden besser in der Stadt verteilt. Wo genervte Fahrer heute lange nach einer Parklücke suchen müssen, würden sie schnell fündig.

Bevor der Einwand kommt, dass das neoliberal gedacht sei, noch eine Frage: Ist es richtig, dass Bürger von Marzahn-Hellersdorf zur Platte einen Stellplatz mieten müssen und zusätzlich die Parkplätze für die Bewohner in Mitte mitbezahlen?

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