Berlin : Parlament ohne Durchblick

Am Bundestag müssen wegen Pfuschs am Bau 450 Fenster erneuert werden

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Bis zum September nächsten Jahres wird Bundestagsabgeordneten von CDU und SPD der rechte Durchblick fehlen. Dafür sehen sie Gerüste. Rund 450 Fenster ihrer Büros im Jakob-Kaiser-Haus an der Dorotheenstraße müssen wegen Baupfuschs ausgewechselt werden. Das kostet etwa 2,5 Millionen Euro, die der Steuerzahler vermutlich nicht zahlen muss. Die Bundesbaugesellschaft spricht von „Mangel am Fassadenprodukt“ und pocht bei den beauftragten Bauleuten auf die Gewährleistungspflicht. Wegen des Falls gibt es noch juristische Auseinandersetzungen.

Vor vier Jahren waren die Gebäude eröffnet worden, die doppelt verglasten Fenster, hermetisch abgeriegelt, boten schnell Anlass zu Klagen. Die Sonnenschutzjalousien zwischen den Fenstern dehnten sich bei Wärme aus und verkanteten. Nicht alle Fenster waren defekt, aber die Bundesbaugesellschaft entschied sich, generell neue Fenster einzubauen. Weil die Arbeiten den Parlamentsbetrieb möglichst wenig beeinträchtigen sollen, wird nach und nach ausgewechselt. So bleiben die Bundestagsabgeordneten vor Krach und Lärm gerade während der Sitzungswochen verschont. Deshalb dauern die Arbeiten über ein Jahr.

Bis Ende 2006 aber sollen nach Auskunft des Sprechers der Bundesbaugesellschaft, André Lundt, die Bauarbeiten am fünf Jahre alten Paul-Löbe-Haus gegenüber dem Reichstag beendet sein. Dort erhält der Sichtbeton eine Lasur, die vor Feuchtigkeit und erneut auch vor Graffiti schützen soll. Mit der Rundumerneuerung will die Bundesbaugesellschaft auch die leichten Grau-Unterschiede und Schattierungen der Fassade ausgleichen. Heller aber wird das Parlamentsgebäude nicht. Bislang wirkte es nach heftigen Regenfällen, wie das Bundeskanzleramt gegenüber, stellenweise fleckig und gescheckt. Die Kosten der „Pflegemaßnahme“, die nach Angaben Lundts nichts mit Baupfusch zu tun hat, betragen rund 850 000 Euro. C. v. L.

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