Berlin : Parlamentssitze zu Schleuderpreisen

Zwei Speditionsfahrer verkauften gestohlene Bundestagsmöbel an einen Kreuzberger Händler

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Zitternd vor Kälte steht Alexander O., Geschäftsführer des Gebrauchtmöbelladens „Das zweite Büro“ vor seiner Ladentür in der Zossener Straße in Kreuzberg. Der 35Jährige versucht, die Neugierigen zu vertreiben. Er hat ein Problem: Am Dienstagnachmittag fand die Polizei bei ihm gestohlene Büromöbel, 70 Stühle, Schreibtische und Regale im Wert von rund 10 000 Euro. Besonders brisant: Das Mobiliar gehört dem Bundestag. Zwei Fahrer der Spedition Plischka, die vom Bundestag für einen Umzug beauftragt worden sind, hatten die Möbel entwendet und an den Gebrauchtmöbelladen weiter verkauft.

„Ich dachte, die seien ausgemustert, weil einige schon recht schrottig waren. Deshalb habe ich mir nichts dabei gedacht, als ich sie angekauft habe“, beteuert der Geschäftsführer. Anfang Dezember seien der 35-jährige Michael S. und sein 28-jähriger Kollege Sven B. mit einem Speditions-Lastwagen vorgefahren und hätten ihm die Büromöbel zum Kauf angeboten. Alexander O. gibt zu, den Aufkleber des Bundes und die Inventar-Nummer durchaus registriert zu haben. „Ist doch nicht ungewöhnlich, dass auch im Bundestag alte Möbel ausrangiert werden.“

Alte Möbel? Davon könne gar keine Rede sein. „Das Mobiliar war völlig in Ordnung“, sagt Michael Reinhold, Sprecher des Deutschen Bundestages. Umzüge im Bundestag seien ganz alltäglich. Beispielsweise wenn Abgeordnete eine neue Aufgabe bekommen und in andere Büros versetzt werden. Purer Zufall, dass das gestohlene Inventar nun entdeckt worden ist. Eine Mitarbeiterin der SPD-Fraktion entdeckte im Laden von Alexander O. die Möbel mit den Aufklebern. „Sie hat sicherheitshalber sofort unsere Projektgruppe Umzugssteuerung informiert“, erzählt Parlamentssprecher Reinhold. Der Leiter der Projektgruppe hat die Möbel identifiziert und die Polizei gerufen.

Die beiden Fahrer der Spedition Plischka haben den Diebstahl sofort gestanden. Gegen sie wird jetzt ermittelt. Ihren Job sind sie los. Die Geschäftsführung der Firma teilte gestern mit, dass sie den Vorfall bedauere. Die Polizei bestätigt, dass die Verantwortlichen der Firma Plischka nicht verdächtigt werden. Mehr Sorgen müsste sich Alexander O. machen. Wer einen 600 Euro teuren Bürostuhl aus dem Bundestag für fünf Euro von zwei Speditions-Fahrern ankauft und später für 150 bis 200 Euro wieder verkaufen will, „müsste eigentlich wissen, dass so was nicht rechtens ist“, sagt ein Polizeisprecher. tabu

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