Parteien : Piraten werden sesshaft

Die Piratenpartei eröffnete ihr erstes Büro – in Friedrichshain, wo ihre Wähler wohnen.

Patricia Hecht,Lea Hampel
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Das Schild hängt. Die Piratenpartei hat hier erstes Büro. Foto: Uwe Steinert

Diesmal waren sie besser vorbereitet. Während der Ansturm bei ihrem ersten Parteitreffen nach der Europawahl die Piraten völlig überrascht hatte, haben sie am Donnerstag bei der Eröffnungsparty ihres neuen Büros mit den zahlreichen Sympathisanten und Wählern gerechnet, die schon nachmittags gratulieren kamen.

Schon von der Straße aus war die orangefarbene Parteiflagge zu sehen, die im Fenster des Großraumbüros hängt, das dem Verein für Kinder- und Jugendprojekte „Pünktchen im Kiez“ gehört. Der Arbeitsplatz im Inneren ist zwar einer unter vielen, aber er bedeutet einen großen Fortschritt für die Partei: „Bisher haben die Piraten nur im Netz, in Privathaushalten oder an öffentlichen Treffpunkten existiert“, sagte Sprecher Fabio Reinhardt. Jetzt ist der deutschlandweit erste Büroarbeitsplatz der Piraten in der Wählerhochburg Friedrichshain-Kreuzberg eingerichtet. Dort hatte die Partei bei der Europawahl 3,4 Prozent der Stimmen geholt, in Berlin hatte sie es insgesamt auf 1,4 Prozent geschafft und war so die größte unter den kleinen Parteien.

Das neue Büro soll künftig sowohl als Landesgeschäftsstelle der Berliner Partei als auch als bundesweites Wahlkampfkoordinierungsbüro genutzt werden. „Damit wird vieles einfacher“, sagte der Bundesvorsitzende Dirk Hillbrecht, der extra aus Hannover angereist war. Unter anderem haben die Piraten jetzt eine Postadresse. „Wir können nun viel schneller neue Mitgliedsanträge bearbeiten“, so Hillbrecht.

Seit der Europawahl hat die Partei nämlich eine rasante Entwicklung hingelegt: Die Zahl der Berliner Mitglieder hat sich von 60 auf rund 150 mehr als verdoppelt. „Der Ansturm von neuen Interessenten ebbt gar nicht mehr ab“, sagte Andreas Baum, Landesvorsitzender der Berliner Piraten. Auch die erforderlichen Unterschriften, um bei der Bundestagswahl im September antreten zu können, haben die Berliner zusammen: 2000 hätten sie gebraucht, rund 2600 haben sie bereits.

Alle Mitglieder der Partei arbeiten bislang ehrenamtlich. Wenn im Februar die Gelder für die Wahlkampfkosten ausgezahlt werden, wolle man jedoch wenn möglich eine Stelle für das Büro finanzieren, hieß es. Da die Berechnung aber kompliziert sei, wisse man noch nicht, wie viel man bekomme.

Zum Glück steht den Piraten das Büro vorerst mietfrei zur Verfügung: Das Angebot kommt von Stefan Schultz, dem Geschäftsführer des Vereins „Pünktchen im Kiez“. „Ich habe gehört, dass die Partei Räume sucht“, sagt Schultz. Ihm gefalle der basisdemokratische Anspruch und die Ziele, das Urheberrecht zu lockern und Bürgerrechte im Internet stärker zu schützen. Gern hat er deshalb der Piratenpartei einen der Schreibtischplätze auf den rund hundert Quadratmetern bereit gestellt, die sein Verein an verschiedene Initiativen wie den Stadtteilverein Friedrichshain vermietet.

Bisherige Treffpunkte, etwa die Kreuzberger Bar „Breipott“, in der lizenzfreie Musik kostenlos zum Herunterladen aus dem Netz angeboten wird und in dem sich die Piraten wöchentlich versammeln, oder den Kulturverein C-Base in Prenzlauer Berg will die Partei jedoch weiter nutzen. Dort hat sie sich Ende 2006 auch gegründet. Für den Landesparteitag am 1. Juli haben sich die Piraten übrigens die Karaokebar „Monster Ronson’s“ in der Warschauer Straße ausgesucht.

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