Berlin : Parteiübergreifende Wissenslücken beim Sextest

Beim lesbisch-schwulen Stadtfest trafen sich die Spitzenkandidaten Friedbert Pflüger, Lucy Redler und Franziska Eichstädt-Bohlig

Werner van Bebber

Wann ist eigentlich der „Tag gegen Homophobie“? Es gibt so viele Tage für oder gegen etwas, dass auch gebildete Leute diesen Tag nicht unbedingt aus dem Stand datieren können. Friedbert Pflüger konnte es jedenfalls nicht, als er am gestrigen Sonnabend beim „lesbisch-schwulen Stadtfest“ am Nollendorfplatz auf dem „Wilden Sofa“ saß und auf seine sexuellen Kenntnisse hin geprüft wurde. Aber Lucy Redler von der WASG, die neben Pflüger Platz genommen hatte, war auch nicht klüger. Und nicht mal Franziska Eichstädt-Bohlig, die Spitzenkandidatin der Grünen, kannte die richtige Antwort.

Das seltsam schwarz-grün und sehr knallrot gemischte Polittrio zeigte beim sexuellen Wissenstest, den Talkmaster Gerhard Hoffmann und seine Assistentin Biggy van Blond da veranstalteten, parteiübergreifend Lücken. Am besten schnitt noch die Grünen-Kandidatin ab. Sie definierte den Begriff „queer“ so gekonnt politisch korrekt, wie man das nur bei den Grünen lernt. Lucy Redler kam immerhin mit der Antwort auf die Frage, was die „sexuelle Demokratie“ sei, gut an: In der sexuellen Demokratie macht man der WASG-Frontfrau zufolge ohne Vorurteil und Vorbehalt das, „was beiden Spaß macht“.

Wieso eigentlich „beiden“? Egal. Das „Wilde Sofa“ gehört beim Stadtfest der Berliner Homosexuellen zu den Kultorten. Die politische Prominenz giert logischerweise danach, dort befragt zu werden, erst recht im Wahlkampf. Da zeigt nicht bloß Pflüger, dass er dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit die Sympathien der Lesben und Schwulen nicht einfach überlassen will. Von der Linkspartei über die SPD bis zur FDP demonstrierten nicht weit entfernt vom „Wilden Sofa“ alle, dass sie für alle sexuellen Orientierungen offen sind. Pflüger hatte vor ein paar Wochen schon einen Zug durch die Gemeinde unternommen, sich beim Männerberater „Maneo“ vorgestellt und im Kiez am Nollendorfplatz umgesehen. Gestern schüttelte er lange vor dem Sofa-Talk die Hände schwuler Polizisten ebenso wie die der Jugendberater von „Mann-O-Meter“. Die unterzogen ihn auch einem Sextest. Pflüger musste zum Beispiel schätzen, wie viele Homosexuelle es in Berlin gibt – angeblich fast 400 000. Und welches Gleitgel zerstört Kondome? Das wusste der CDU-Spitzenkandidat nicht. Doch schnitt er beim Test der Mann-O-Meter-Nachwuchsorganisation so gut ab, dass ihn die Jungmänner mit einer Frisbee-Scheibe belohnten.

Auf dem „Wilden Sofa“ tat er sich später etwas schwerer. Immerhin kam er dazu, die Lesben-und-Schwulen-Union ins Gespräch zu bringen und darauf hinzuweisen, dass auch seine CDU das Lebenspartnerschaftsgesetz „entwickeln“ will. Doch bei so etwas sind die Grünen notorisch vorn. Da gibt es keine Vorbehalte gegen ein Adoptionsrecht für Homosexuelle.

Der Tag gegen Homophobie wird übrigens an jedem 17. Mai begangen.

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