Berlin : Parteiwechsel: Kein Eintritt aus Solidarität

"Wer Politik machen will, soll in eine Partei gehen", sagt Christoph Stölzl. Das tut er knapp ein Jahr nach seiner Wahl zum Wissenschafts- und Kultursenator nun auch selbst. Als Eberhard Diepgen ihn zum Nachfolger von Christa Thoben (CDU) aussuchte, wusste er, dass Stölzl der CDU seit Jahren nahe stand. Vor einer Woche schickte der Kultursenator dem Kreisverband Steglitz-Zehlendorf sein Eintrittsgesuch. Sicher wird er wunschgemäß "in Gnaden aufgenommen". Den Kreisvorsitzenden Uwe Lehmann-Brauns, der auch stellvertretender Fraktionschef und Kulturpolitiker im Abgeordnetenhaus ist, kennt er seit 15 Jahren.

Was veranlasst einen, ausgerechnet zu einem Zeitpunkt in die Partei seiner Wahl einzutreten, da sie in Bedrängnis ist? "Schierer Zufall", sagt Stölzl. Also keine demonstrative Solidarität mit der CDU: "Aber ich käme mir blöd vor, es wegen des Krisengeredes jetzt zu unterlassen." Er habe sich, als er Senator wurde, vorgenommen, eine Tages der CDU beizutreten. In den "besinnlichen Tagen" um die Jahreswende" habe er sich dazu entschlossen. Da ahnte noch niemand etwas von der Parteispendenaffäre.

Der 57-jährige Stölzl gehörte schon einmal einer anderen Partei an. In seiner Heimatstadt München trat er 1984 in die FDP ein, die er 1993 in Berlin verließ. "Ich bin ein Sozialkunde-Demokrat, ich handele danach, was gebraucht wird", sagt er. In München sei die FDP im Stadtrat "die kulturelle Leuchte" gewesen. In West-Berlin war Stölzl 1988 bis 1990 sogar stellvertretender FDP-Landesvorsitzender. Auf dem Ost-West-Vereinigungsparteitag der Berliner FDP im Herbst 1990 überließ er dann den stellvertrenden Vorsitz einem Ostler.

Seit Mitte der achtziger Jahre hatte Stölzl auch mit der Berliner Kulturszene zu tun, und im Herbst 1987 wurde er Gründungsdirektor des Deutschen Historischen Museums; Bundeskanzler Helmut Kohl schätzte und förderte ihn. Damals schon umwarb ihn auch Lehmann-Brauns. "Kommen Sie zu uns", habe der gesagt, aber Stölzl war ja in der FDP.

Er wollte allerdings nicht bloß "Funktionär" der Liberalen sein. So verließ er sie 1993. Wenn er nun in die CDU eintritt, tut er es auch nicht wegen einer Hausmacht. Er habe immer die Unterstützung der CDU gehabt. Stölzl wirkt allerdings nicht wie einer, für den Parteien Selbstzweck sind. Zum Glück seien die Parteien programmatisch nicht so unterschiedlich und nicht ideologisch verbohrt, dass ein Wechsel unmöglich wäre: "Mit dem Eintritt in die CDU verlasse ich doch mein politisches Milieu gar nicht." Gebraucht aber werde in Berlin immer noch die Große Koalition "als Rückversicherung gegen radikale Pendelschläge". Er will keinen Kommentar zur Parteispendenaffäre der CDU geben. Nur so viel ganz allgemein: "Wenn die alle bei Verstand sind, setzen sie Fraktionsvorstände und Senat so zusammen, wie es die Stadt braucht." Er wünscht sich allerdings "aus Ressortegoismus", dass Klaus Landowsky CDU-Fraktionschef bleibt: "Er ist sehr engagiert für die bildende Kunst."

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