PARTY Gänger : Watergate

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Foto: ©sven lambert

Zielstrebig schiebt sich die Schlange über die Treppenstufen zum Eingang. Es ist kurz nach eins. Vor der Tür des Watergate drängen sich mehrere Dutzend Männer und Frauen. Alle paar Minuten öffnet sich die Tür und schluckt ein paar von ihnen, für den Bruchteil von Sekunden wummern Bässe nach draußen. Über den Wartenden rauscht im 15-Minuten-Takt die U-Bahn über die Oberbaumbrücke. Das Rattern der Räder auf den Hochgleisen übertönt die drei Männer, die sich mit dem Türsteher streiten und fluchend in der Nacht verschwinden, vorbei an den amüsierten Blicken derer, die auf mehr Milde hoffen.

Über der Tanzfläche im ersten Stock hängt der Himmel voller Sterne. Sie funkeln blau und rot und weiß, sie hüpfen, zappeln und zucken zum elektronischen Takt, den der DJ vorgibt. Unter der raumgreifenden Lichtanlage ein Meer aus Händen, die nach den flimmernden Punkten greifen; schwitzende Körper, die von der Musik angetrieben werden und sich aneinander reiben. Von den Seiten drängen nachthungrige Neuankömmlinge. Touristen und Einheimische, Stinos und Szenetypen – sie alle sind unter der riesigen Leuchtkuppel willkommen.

Vor neun Jahren haben die Betreiber des Watergate den unscheinbaren Neubau an der Falckensteinstraße bezogen. Damals war die Gegend rund um die Oberbaumbrücke noch weit davon entfernt, in Reiseführern als Ausgehviertel gepriesen zu werden. Ein Niemandsland zwischen Ost und West. Erst dank der Pionierarbeit von Ulrich Wombacher und seinem Team sind seither ringsherum Clubs und Bars entstanden. Manche blieben nur für ein paar Monate, andere halten sich noch heute. Neuester Nachbar: der Magnet Club, der im Nebengebäude Asyl fand, geflüchtet vor dem Bionade-Biedermeier des Prenzlauer Bergs.

Dass andere Läden ihnen das Wasser abgraben könnten, brauchen die Betreiber des Clubs nicht zu befürchten. Seit Jahren ist das Watergate ein Fixpunkt im Berliner Nachtleben. Stars wie Paul Kalkbrenner und Richie Hawtin stehen hier am DJ-Pult und heben die Grenzen zwischen Tag und Nacht, zwischen Heute und Morgen auf – im Watergate zählt allein das Jetzt.

Es ist kurz nach halb fünf. Im Untergeschoss, dem Waterfloor, tanzt die Menge dem Sonnenaufgang entgegen, jeder Beat bringt sie ihm ein Stück näher. Arme fliegen in die Luft, ein Grölen geht durch den Raum. Vor den bodentiefen Fenstern liegt die Spree wie ein glitzerndes Vlies, am anderen Ufer leuchtet das Logo des Universal-Gebäudes. Das blonde Mädchen mit dem schwarzen Kleid und den braunen Stiefeln bekommt davon nichts mehr mit. Erschöpft hat es sich auf eines der Ledersofas neben der Tanzfläche niedergelassen, die Augen geschlossen. Nana Heymann

Watergate, Falckensteinstraße 49a in Kreuzberg. Geöffnet mittwochs, freitags, sonnabends ab Mitternacht

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