Berlin : Party mit Modelqualitäten

Die Gäste der Berlinale-Gala feierten bis in den frühen Morgen. Allerdings ohne Hollywoodstars

Elisabeth Binder

Dass der Applaus im Anschluss an den beschwingenden Berlinale-Auftakt-Film „Chicago“ schon abebbte, als Richard Gere, John C. Reilly , Renée Zellweger, Catherine Zeta-Jones und Regisseur Rob Marshall noch auf der Bühne standen, ist schwer zu erklären. Der Jubel der Autogrammjäger steht oft im Kontrast zur vornehmen Zurückhaltung des geladenen Publikums. Den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit, der anfangs selbst auf der Bühne Reklame für die Filmstandorte Babelsberg, Adlershof und Tempelhof gemacht hatte, wunderte das nicht: „Wo so viele Stars im Publikum sitzen, kann der Applaus schon mal dünner ausfallen. . .“ merkte er bei der anschließenden Party mit feiner Ironie an. Ihm hatte der Film jedenfalls großartig gefallen, wie auch dem britischen Botschafter Sir Paul Lever, der ihn schlicht mit „terrific“ beurteilte.

Tatsächlich kamen die Autogrammjäger, die in der Kälte längs des Roten Teppichs ausgeharrt hatten, ihren Sternen eher näher als das Premierenpublikum, das, von Hollywood unbehelligt, noch bis weit in den Morgen die Berlinale-Eröffnung im Musical-Theater auf dem Potsdamer Platz feierte. Als die Hauptdarsteller aufmarschierten, saßen die Premierengäste nämlich schon fest auf ihren Sitzen. Im Anschluss hielten sie lieber Ausschau nach interessanten Gesprächspartnern als nach den Leinwandhelden. Über alle Etagen waren Tische gedeckt, Büfetts aufgestellt. Während es oben relativ luftig blieb, herrschte in den unteren Etagen teilweise mörderisches Gedränge. Für die Chicago-Stars, die in Wirklichkeit viel kleiner und zarter aussehen als auf der Leinwand, wäre das Gequetsche schlicht unzumutbar gewesen.

Glücklicherweise gibt es das Adagio. Im Tiefgeschoss ist die Tanzfläche, auf der die Gäste später zu Swing-Klängen die eigenen Tanzkünste austesteten. Darüber gibt es einen weiträumigen Balkon. Auch dort waren Büfetts aufgebaut mit Lasagne und Lachs in Zitronensauce, auch dort gibt es eine Bar; aber weil dieser Bereich diskret abzusperren ist, ist er den VIPs vorbehalten, die von dort eine gute Aussicht aufs tanzende Party-Volk haben. Das sind neben den Filmbeteiligten überwiegend Sponsoren. Diniert hatten die Darsteller schon während der Vorführung des Films. Deren weiteres nächtliches Programm blieb im Dunkeln. Geheimnisse gehören dazu, deshalb ziehen sich Stars meist schnell zurück; für sie sind Partys wohlkalkulierte Arbeit.

Neben Kulturstaatsministerin Christina Weiss waren auch ihre Vorgänger Michael Naumann und Julian Nida-Rümelin gekommen, außerdem Nadja Auermann, Heidi Klum, Nina Hagen, Iris Berben, Wim Wenders, Wolfgang Clement, der Chef des Bundespräsidialamts, Rüdiger Frohn, der amerikanische Botschafter Dan Coats, sein Schweizer Kollege Werner Baumann, dessen Vorgänger Thomas Borer-Fielding mit Frau Shawne, Rosa von Praunheim und andere.

In vielen Konversationen brach sich dann doch noch Bewunderung die Bahn. Dass Richard Gere, Renée Zellweger und Catherine Zeta-Jones selber getanzt und gesungen haben, wie im Abspann des Films eigens vermerkt, hatte viel Eindruck gemacht. Beim Schlussapplaus mochte man das offenbar nur nicht allzu überschwänglich zeigen.

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