Berlin : Party ohne Wowereit

Regierender Bürgermeister sagt Teilnahme am Bundespresseball ab, will aber weiter küssen

Ulrich Zawatka-Gerlach

Klaus Wowereit geht heute nicht zum Bundespresseball. „Zurzeit ist seine Neigung nicht sehr groß, solche Veranstaltungen zu besuchen“, begründete Senatssprecher Michael Donnermeyer die Absage. Aber das Küssen will sich Wowereit nicht verbieten lassen, wie er gestern im Abgeordnetenhaus sagte. „Das gehört auch zum Regierenden Bürgermeister.“ Er wisse, dass das Foto von der Aids-Gala, dass ihn in inniger Umarmung mit der Entertainerin Desirée Nick zeigt, nicht mehr aus der Welt zu schaffen sei, aber: „Ich bedaure das Foto, nicht den Kuss.“ Schließlich sei Frau Nick „’ne gute Freundin“ von ihm.

Das Bekenntnis Wowereits zum Kuss („…natürlich küsst man manche Menschen lieber als andere“) wurde in der Fragestunde des Parlaments abgegeben. Die Oppositionspolitiker Michael Braun (CDU) und Axel Hahn (FDP) wollten wissen, ob das Verhalten des Regierenden Bürgermeisters auf Partys und Dienstreisen mit der Würde des Amtes noch zu vereinbaren sei. Wowereit antwortete: „Ja“ und plauderte dann drauf los. „Es war nur ein Fehler zu glauben, dass ich auf solchen Veranstaltungen einen Moment Privatsphäre haben kann“. Normalerweise rieche er jeden Fotografen meilenweit. „Aber der kam aus 50 Metern herangesprintet.“

Nun werde ihm die Opposition, prophezeite Wowereit, das Foto „bis ans Ende meiner Regentschaft um die Ohren hauen“. Trotzdem nehme er den Kuss nicht zurück: „Erstens geht das nicht und zweitens hat es Spaß gemacht.“ Schlimm fand es Wowereit allerdings, dass die Boulevardpresse anschließend fragte, ob er überhaupt noch schwul sei. So nach dem Motto: „Man muss einem Schwulen nur eine schöne Frau hinstellen und kann ihn damit umdrehen.“ Das sei genauso diskriminierend und entwürdigend wie die aktuelle Diskussion um die baden-württembergische CDU-Politikerin Annette Schavan.

Der Regierende Bürgermeister verteidigte gestern auch seinen Auftritt in Bangkok, wo er im beigen Anzug unter lauter schwarz berockten Wirtschaftsleuten und Spitzenpolitikern eine angeblich „deplatzierte“ Rede hielt. Die Krawatte sei – und das konnte er beweisen, denn er band sie gestern um – weder rosa noch pink gewesen. Nein, sie war lila-rot-gelb gestreift. In vorsichtige Selbstkritik verfallend sagte Wowereit: „Es kann schon mal passieren, dass man den falschen Anzug anhat.“ Darüber könne man diskutieren, es aber auch lassen. Ansonsten achte er gern auf Stil. Immerhin habe ihn das Lifestyle-Magazin „Men’s Health“, das die bestangezogenen deutschen Männer aussuchte, in der Business-Wertung auf Platz 2 gesetzt. Gleich hinter dem FDP-Chef Guido Westerwelle.

Und auf die Rede vor 800 Managern in Thailand, so der Regierende, habe er durchweg positive Resonanz bekommen. „Das kann auch nur Höflichkeit gewesen sein, das will ich nicht beurteilen.“ Aber der Auftritt sei weder peinlich noch würdelos gewesen und Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) habe sich auch nicht über seine Rede mokiert. „Wenn wir nichts anderes zu tun haben, als über so was zu diskutieren, dann können wir uns ja zufrieden zurücklehnen.“ Bei allen Abstrichen, die man machen könne, so Wowereit, seien seine bisherigen Dienstreisen – dem ausländischen Presse-Echo zufolge – „ein Riesenerfolg“ gewesen.

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