Berlin : Passagiere müssen keinen „Schönefeld-Taler“ zahlen

Gebühr für Flughafen-Ausbau ist vom Tisch. Finanzierungskonzept steht bis Ende März

Klaus Kurpjuweit

Das Finanzierungskonzept für den Flughafenausbau in Schönefeld wird zwar noch entwickelt, doch steht bereits fest, dass Passagiere keine Extragebühren dafür zahlen müssen. „Einen Schönefeld-Taler wird es nicht geben“, sagte der neue technische Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, Thomas Weyer, dem Tagesspiegel. Das Rahmenkonzept für die Finanzierung des Zwei-Milliarden-Euro-Projekts soll Ende März vorliegen. Ende 2005 könnten dann die Verträge mit den Banken unterzeichnet werden.

Nach Weyers Zeitplan sollen die Ausbauarbeiten Anfang 2006 beginnen. Der Betrieb auf dem Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) könnte dann zum Winterflugplan 2010 aufgenommen werden. Die Bauzeit lasse sich nicht verkürzen, so Weyer. Und er muss es wissen. Bereits bevor er Anfang des Jahres in die Geschäftsführung der Flughafengesellschaft wechselte, beschäftigte er sich intensiv mit dem geplanten BBI-Ausbau in Schönefeld. Weyer arbeitete für den Baukonzern Hochtief, der gemeinsam mit der Immobiliengruppe IVG die Flughafengesellschaft übernehmen und Schönefeld ausbauen wollte. Die Privatisierung der Flughafengesellschaft war jedoch nach langen Verhandlungen gescheitert. Unter anderem konnte nicht geklärt werden, ob auch die Passagiere zur Finanzierung des Schönefeld-Ausbaus herangezogen werden sollten. Etwa zehn Euro sollten alle abfliegenden Passagiere auf allen drei Berliner Flughäfen zahlen, war eine Idee. Dagegen wehrten sich vor allem die Fluggesellschaften. Am Ende nun mit Erfolg.

Die Flughafengesellschaft will jetzt auch einen weiteren Streit mit den Gesellschaften beenden. Für Tegel und Tempelhof soll demnächst die Gebührenentwicklung in einem langfristigen Vertrag festgelegt werden, was den Gesellschaften Planungssicherheit verschafft. Eine solche Regelung hatten die Gesellschaften seit Jahren gefordert. In Schönefeld sollen die Gebühren, wie berichtet, generell gesenkt werden.

Im Nachhinein ist Weyer überzeugt, dass der BBI in der vorgesehenen Form nicht privat zu finanzieren war. Jetzt sucht die Flughafengesellschaft, die den Ausbau in eigener Regie vornehmen muss, nach Einsparmöglichkeiten. Der Flughafen werde nach dem internationalen Standard ausgebaut, so Weyer. Überflüssigen Schnickschnack werde es aber nicht geben. So sei zum Beispiel die Vorgabe, 90 Prozent aller Flüge müssten an einem so genannten Finger mit direktem Zugang zum Terminal abgewickelt werden, völlig überzogen gewesen. Vor allem die Billigfluglinien verzichten auf diese – für sie teure – Abfertigung. Sie lassen Passagiere am liebsten zu den Flugzeugen laufen. Dies werde jetzt bei der Planung berücksichtigt.

Nicht verzichten wolle und könne man auf den Bau des Bahnhofs, der unter dem neuen Terminal entstehen soll. Auch hierfür ist die Finanzierung, an der sich der Bund beteiligen müsste, noch nicht geklärt. Allein der Bahnanschluss wird etwa 225 Millionen Euro kosten. Der Bahnanschluss sei aber eine der Voraussetzungen für ein Drehkreuz, das in Schönefeld entstehen soll, so Weyer.

Bereits demnächst wird dort gebaut. Im Bereich des alten Terminals entsteht für etwa fünf Millionen Euro ein neuer Abfertigungsbereich für Privatflieger, die Tempelhof verlassen müssen, wenn dort die Betriebspflicht der Flughafengesellschaft erlischt. An diesem Plan hält Weyer fest.

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