Berlin : Passagiere waren am Zug

Bahn-Streik ohne Chaos: Viele nutzten Alternativen

Berlin - Trotz bundesweiter Warnstreiks im Regionalverkehr mehrerer Bahnunternehmen blieb das große Chaos am Dienstag zumindest in Berlin und Brandenburg aus. Einzig der R2 zwischen Cottbus und Berlin-Südkreuz wurde am Vormittag zeitweise bestreikt, wodurch es zu größeren Verspätungen kam. Die Bahn setzte auf der Strecke Busse ein.

Viele Reisende hatten sich auf die Streiksituation eingestellt und waren von den Regionalzügen auf andere Verkehrsmittel oder den eigenen Pkw gewechselt, sagte Bahnsprecher Burkhard Ahlert. Die Berliner S-Bahn war von den Arbeitskampfmaßnahmen nicht betroffen und verzeichnete ein verstärktes Passagieraufkommen. Mit mehr Zügen konnte man wegen des andauernden Reparaturbedarfs beim Wagenpark nicht reagieren. „Wir haben alles im Einsatz, was läuft“, sagte Ahlert.

Trotzdem standen am frühen Dienstagabend viele Passagiere auf S-Bahnhöfen und warteten vergeblich auf einen Zug: Wegen einer Weichenstörung am Anhalter Bahnhof kam es zu Verzögerungen und Ausfällen auf den Linien S 1, S 2 und S 25. Rund zwei Stunden lang fuhren die Züge plötzlich auf dem gegenüberliegenden Gleis ein, es stoppten teils nur Kurzzüge, und alles drängte sich. „Ich ärgere mich darüber, dass es keinerlei Durchsagen für die Fahrgäste gibt“, sagte gestern eine Berufspendlerin, als sie nach der Arbeit auf dem Weg nach Hause nicht mehr weiter kam. Wie viele dachte sie, die Ausfälle hätten mit dem Streik zu tun. Die S-Bahn machte auf ihrer Internet-Homepage auf die technischen Probleme aufmerksam. Die Störungen hatten gegen 18 Uhr begonnen und sollten gegen 20 Uhr wieder behoben sein, hieß es bei der S-Bahn-Leitstelle.

Woanders standen Passagiere aber wegen des Streiks herum. Im Fernverkehr waren bis zum Mittag 14 ICE nach Berlin um bis zu 130 Minuten verspätet. Besonders stark betroffen war die Strecke aus Köln/Bonn, aber auch Züge aus Aachen, Basel, Darmstadt/Frankfurt, Karlsruhe, Koblenz, München, Stuttgart und Trier erreichten die Hauptstadt nur mit Verspätung. Dazu kamen ein ICE aus Köln/Düsseldorf und ein IC aus Dortmund mit Weiterfahrt zum Ostseebad Binz, bei denen als Grund der Verspätung Notarzteinsätze an der Strecke genannt wurden.

Mit der Beendigung der Streiks in Süd- und Westdeutschland begann sich die Situation mittags wieder zu normalisieren. Aufgrund des verspäteten Eintreffens der Züge in Berlin, wo sie zum Teil vor der nächsten Fahrt im ICE-Werk Rummelsburg gewartet werden, wurde für den Nachmittag noch mit Verspätungen bei Abfahrten von den Berliner Bahnhöfen gerechnet. Für den ICE nach Basel wurde ein IC als Ersatzzug eingesetzt.

Ein Sprecher der Ostdeutschen Eisenbahn (ODEG) sprach am Dienstag von nur geringen Auswirkungen des Streiks auf den Betrieb. Zwischen vier und sieben Uhr habe es zum einen auf den Strecken von Berlin-Lichtenberg nach Werneuchen beziehungsweise nach Frankfurt (Oder) kleinere Unterbrechungen gegeben, zum Teil konnten Fahrgäste auf die S-Bahn umsteigen. brö/du-/kög

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