Berlin : Passion am Havelufer

Die Ausflugskirche auf Nikolskoe feiert ihr 175-jähriges Bestehen – und lohnt einen Osterspaziergang.

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Vom Tod zum neuen Leben. Am Karfreitag um 15 Uhr findet in Nikolskoe ein Gottesdienst statt.
Vom Tod zum neuen Leben. Am Karfreitag um 15 Uhr findet in Nikolskoe ein Gottesdienst statt.Foto: DAVIDS

Es ist still am Havelufer. Nur das Rauschen des Windes im Wald und das Gezwitscher der Vögel sind zu hören, als ein Glockenschlag die Ruhe unterbricht. Er kommt von Berlins bekanntester Ausflugskirche Sankt Peter und Paul auf Nikolskoe. An diesem Osterwochenende startet das Gotteshaus in seine Jubiläumssaison: Im August 1837, vor 175 Jahren, wurde die auf einer Anhöhe an der Havel gelegene Kirche mit dem markanten Zwiebelturm feierlich eingeweiht.

Folgt man Theodor Fontane, war es die russische Zarin Alexandra Feodorowna, die frühere preußische Prinzessin Charlotte, die ihren Vater Friedrich Wilhelm III. überredete, in der Nähe der Pfaueninsel eine Kapelle „zum stillen Abendgebet“ errichten zu lassen. Und auch heute noch übt die romantische Lage der von Friedrich August Stüler und Albert Schadow erbauten Backsteinkirche eine große Anziehungskraft auf die Berliner aus: „Wir haben im Jahr 80 bis 85 Trauungen und ebenso viele Taufen“, sagt Claus Marcus. Der frühere Pfarrer von Wannsee ist in seinem Ruhestand als Pfarrer auf Nikolskoe tätig – denn eine Kirchengemeinde gibt es hier im Wald, anders als im 19. Jahrhundert, nicht mehr: Auch die Bewohner der Pfaueninsel und die Wirte der Ausflugsgaststätten entlang der Havel gehören mittlerweile zur Gemeinde Wannsee. „Aber für eine Trauung auf Nikolskoe reisen die Menschen selbst aus den USA nach Deutschland an.“ Brautpaare sind fasziniert von der idyllischen Lage der Kirche, unter hohen Bäumen, mit Blick auf die Havel. Der hat seinen Preis. Brautpaare müssen für die Hochzeit hier 250 Euro zahlen, während der Gang zum Traualtar in der eigenen Kirchengemeinde kostenfrei ist. Das hat seinen Grund, sagt Marcus. Zwar gehöre die Kirche als Teil des preußischen Kulturerbes dem Land Berlin, das auch für die bauliche Unterhaltung des Gebäudes verantwortlich sei. Die Betriebskosten aber müsse die evangelische Kirche selbst aufbringen. „Wir brauchen das Geld, um Küster, Organisten und Pfarrer zu bezahlen“, sagt Claus Marcus. Weil auf Nikolskoe eine Gemeinde fehlt, erhält das für den Betrieb der Kirche verantwortliche Kuratorium auch keine Kirchensteuern. Zwar gibt es regelmäßige Zuschüsse des Kirchenkreises Teltow-Zehlendorf – doch die reichen nicht.

Unterstützt wird Pfarrer Marcus von einem Team von Haupt- und Ehrenamtlichen, das die Kirche offen hält, den Blumenschmuck auf dem Altar arrangiert und Fragen der Besucher beantwortet. Und das Interesse an der Kirche im Wald ist groß. „Wir haben heute schon Terminreservierungen für Hochzeiten im Jahr 2013, und in diesem Jahr sind schon viele Wochenenden ausgebucht.“

Das gilt auch für den 26. August: Dann soll das Kirchenjubiläum mit einem Festgottesdienst unter Leitung von Bischof Markus Dröge begangen werden. Doch auch die normalen Veranstaltungen in der Kirche sind gut besucht – der wöchentliche Sonntagsgottesdienst um 15 Uhr ebenso wie die zwischen Pfingsten und Ende September von Kirchenmusikerin Katharina Böttcher veranstalteten musikalischen Vespern an Samstagabenden. Wenn die letzten Takte der Orgelmusik verklungen sind, und Pfarrer Marcus die Besucher am Ausgang verabschiedet, trifft er vor allem auf das Berliner Bildungsbürgertum: Professoren, Juristen, Lehrer. „Wir bedienen hier schon eher eine kulturprotestantische Klientel“, sagt Marcus. „Die Menschen schätzen es, dass sie hier einfach so zur Kirche gehen können, mitten in der Natur – und das ganz anonym und ohne irgendwelche Nachbarn zu treffen.“

Und selbst wenn am Ostersonntag um 6 Uhr früh die Glocken der Kirche zum Gottesdienst rufen, weiß Claus Marcus, dass er vor einer vollen Kirche stehen wird. „Manche Menschen sind da schon Stunden durch den Wald gewandert, um an unserem Gottesdienst, dem anschließenden Osterfrühstück und dem Ostereiersuchen für die Kinder teilnehmen zu können“, erinnert sich Marcus an die letzten Jahre. „Wenn die Morgensonne auf die Havel scheint und weit und breit noch keine Boote oder Spaziergänger zu sehen sind, ist es hier draußen eben auch besonders romantisch.“

Am Karfreitag feiert Pfarrer Marcus um 15 Uhr auf Nikolskoe einen Gottesdienst mit Abendmahl. Am Ostersonntag gibt es um sechs Uhr einen Frühgottesdienst mit Trompetenmusik, Osterfrühstück und Eiersuche, sowie um 15 Uhr einen Gottesdienst mit Pfarrerin Jutta Schreur. Am Ostermontag gibt es um 15 Uhr einen Gottesdienst auf Nikolskoe, geleitet vom ehemaligen Direktor des kirchlichen Kunstdienstes, Pfarrer Manfred Richter. Weitere Infos: www.kirche-nikolskoe.de. Eine Übersicht über alle Gottesdienste am Osterwochenende finden Sie auf Seite 15.

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