• Pasternack erforscht die DDR-Forschung Der zurückgetretene Staatssekretär vergab Auftrag an sein altes Institut

Berlin : Pasternack erforscht die DDR-Forschung Der zurückgetretene Staatssekretär vergab Auftrag an sein altes Institut

Werner van Bebber

Wenn Peer Pasternack, der Staatssekretär für Wissenschaft, am 1. Oktober sein Amt aufgibt und wieder forscht, wird er einen Auftrag des Berliner Senats erfüllen: Das Institut für Hochschulforschung in Wittenberg, an das er zurückkehrt, untersucht seit August, wie nach dem Zusammenbruch der DDR deren wissenschaftliche Einrichtungen evaluiert wurden und was aus ihnen wurde. 20000 Euro bezahlt Pasternacks Noch-Chef, Wissenschaftssenator Thomas Flierl (PDS), für die Studie. Und dass die Angelegenheit etwas Irritierendes hat, liegt vor allem an der Art der Auftragsvergabe. Bevor Pasternack zurücktrat, sprach er mit dem Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) über die Studie. Noch jetzt hält er das WZB für die richtige Adresse. Doch man kam nicht zueinander, Gespräche endeten im Unverbindlichen. Weil sich aber Flierl und Pasternack einig darin waren, dass der Untergang der Ost-Wissenschaft einer nachholenden Begutachtung bedurfte, wandten sie sich an Pasternacks altes Institut. Er habe den Kollegen dort den Auftrag geradezu nahelegen müssen, sagt Pasternack jetzt. Er sei auch erheblich geringer dotiert als die Forschungsaufträge mit den sechsstelligen Budgets, die man in Wittenberg normalerweise bearbeite.

Auch beim WZB ist man nicht böse darüber, dass aus dem Job nichts wurde. Forschungsplanerin Dagmar Simon hält das Institut in Wittenberg für die richtige Adresse. Und die 20000 Euro seien „keine furchtbar beeindruckende Summe“, sagt sie. Wenn der Staat Untersuchungen veranlasst, Gutachten vergibt und Kommissionen gründet, geht es normalerweise um viele hunderttausend Euro, am liebsten um Millionen. Nicht nur deshalb fühlt sich Pasternack frei von einem schlechten Gewissen. Zum Zeitpunkt der Auftragsvergabe – im Mai 2003 – hat er angeblich noch nicht an Rücktritt gedacht; den verkündete er Anfang Juli und begründete ihn mit den Sparzwängen in der Wissenschaftspolitik. Was bleibt, ist die Frage nach dem Erkenntnisgewinn einer Studie über Wissenschaftsthemen, die seit Jahren abgewickelt sind.

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