Berlin : Paten für Saurier und Spinnen gesucht

Das Museum für Naturkunde startet am Samstag Sponsoren-Aktion zur Rettung seiner Sammlungsstücke

Christian van Lessen

„Wowi“ ist bislang der bekannteste Promi-Schützling im Museum für Naturkunde. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit hatte ein ausgestopftes australisches Beuteltier schon vor Wochen bei einem Museumsbesuch ins Herz geschlossen und den pummeligen Wombat „Wowi“ getauft. Das war inoffizieller Auftakt für die Patenschaftskampagne zur Rettung der einzigartigen Museumsbestände. Am kommenden Sonnabend um 14 Uhr startet die Patenaktion offiziell.

Die Besucher können dann bei freiem Eintritt ihre Schützlinge aussuchen. Ab 20 Euro darf man schon, mit Urkunde, stolzer Pate eines Meteoriten werden. Wowereit und „Wowi“ wollen die Patenschaftskampagne um 15.30 Uhr starten, und Max Raabe wird, begleitet von Christoph Israel, „Mein Gorilla hat ´ne Villa im Zoo“ singen. Raabe ist schon Pate des einstigen Zoo-Gorillas „Bobby“, und Sponsoren sollen noch viele tausend Besucher werden. Das Museum für Naturkunde bietet am Sonnabend Führungen hinter die Kulissen an.

In der Kampagne sieht die Humboldt-Universität die Chance, 25 Millionen Stücke dauerhaft vor dem Verfall zu retten. Das ihr gehörende Museum verfügt über eine der größten naturkundlichen Sammlungen der Welt, kann die Stücke oft aber nur unzureichend unterbringen, pflegen und restaurieren. Die Geldnot im Gebäude an der Invalidenstraße 43 in Mitte ist offensichtlich.

Der Großteil der Schätze lagert in nicht öffentlich zugänglichen Bereichen, und gerade um die Stücke dort zu restaurieren und später zeitgemäß auszustellen, ist Geld nötig. Mehr als 120 Millionen Euro müssten in das Haus gesteckt werden, um alle Sammlungen ordnungsgemäß unterzubringen und den zerstörten Ostflügel wiederaufzubauen.

Auch wenn für den gesamten Bestand symbolisch Paten oder Sponsoren gesucht werden, so geht es vor allem um mehrere hundert Ausstellungsstücke, für deren Pflege Geld gebraucht wird. Das Angebot reicht vom Urvogel Archaeopteryx bis zur Zikade, vom Saurierknochen bis zur Spinne. Der Bestand ist riesig, der Bestand an Patenobjekten kann ständig aufgestockt werden, die Aktion dauert ein halbes Jahr. Unter den Einzelstücken sind auch ganze Vitrinen mit Steinen oder Käfern.

Wer Pate eines Krebses werden will, sollte 25 Euro dabei haben, der Wirbel eines ausgestopften Riesenhirsches oder ein Mammut-Backenzahn kostet 50 Euro, und große Knochen eines ausgestorbenen Riesenelefanten sind 250 Euro wert. Die Paten werden in erster Linie einen Beitrag zur Erhaltung der jeweiligen Sammlung leisten, aus der ihr „Patenkind“ stammt. In einigen Fällen werde das Geld aber auch direkt zur Pflege des einzelnen Objektes eingesetzt.

Die Geldgeber dürften sicher sein, dass ihre Patenschaft namentlich am Ausstellungsstück erwähnt wird, heißt es. Wer will, kann seinen Namen vom kommenden Sonnabend an auch auf der Homepage (www.mein-museum.de) lesen. Die Paten haben außerdem zweimal im Jahr die Möglichkeit, an „Patenschaftstagen“ ihren Schützling „hinter den Kulissen zu besuchen und sich vom sinnvollen Einsatz der Mittel zu überzeugen“.

Weitere Informationen im Internet: www.naturkundemuseum-berlin.de

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