Berlin : Paten und Publicity

Kein Geld für Infotafeln? Die Firma Wall schaffte sie im Zoo an. Was Firmen für die Tierparks tun

Christian van Lessen

Vor zwei Jahren ging Daniel Wall mit seiner Familie durch den Zoo – und war enttäuscht: Die hölzernen Wegweiser erschienen ihm mehr als dürftig, die Hinweise auf Fütterungszeiten kaum erkennbar. Der Juniorchef des Stadtmöblierungs-Unternehmens fand, es sei Hilfe angebracht. Inzwischen hat der Zoo ein schmuckes, übersichtliches Leitsystem mit Informationssäulen und -Vitrinen. Die Firma Wall engagiert sich auf Berlins Straßen – und eben auch für den Zoo.

Zusätzlich wurde eine Medienpartnerschaft vereinbart, ein Kooperationsvertrag über 250 000 Euro. Wall verpflichtet sich, Plakatflächen für die Eigenwerbung des Zoos zur Verfügung zu stellen, gleichzeitig erhält er Poster-Vitrinen zur Präsentation der Sponsoren. „Wir unterstützen eine der beliebtestes Attraktionen in Berlin“, sagt Daniel Wall, im Vorstand des Familien-Unternehmens für Marketing und Vertrieb zuständig. Der Zoo revanchiert sich, indem er Karten zur Verfügung stellt, auch Räume für Veranstaltungen. Tiergebäude, wie das Nilpferdhaus, können für Veranstaltungen gebucht werden. Die Gäste stört offenbar nicht, dass es etwas streng riecht. Frischer ist die Luft im Aquarium, das gern für Modenschauen genutzt wird. Immer mehr Firmen verlegen Empfänge und Pressekonferenzen in den Zoo – auch in den ferneren Tierpark. Das bringt beiden zusätzliches, dringend benötigtes Geld.

Ohne private Hilfe geht nichts mehr: Gleich am Eingang danken Zoo und Tierpark auf Tafeln ihren Spendern. Für den Zoo engagiert sich auch die Wohnungsbaugesellschaft GSW, für den Tierpark zusätzlich das Wohnungsunternehmen HoWoGe. Das übernahm eine Patenschaft für die „Elefantenkinderstube“ und sponsert den Tierpark jährlich mit einer größeren Summe. Über die Höhe herrscht Stillschweigen. „Der Tierpark hat einen hohen Erholungswert für unsere Mieter.“ Sie zahlen zum Beispiel weniger Eintritt. Die Wohnungsbaugesellschaft GSW wiederum hat dafür gesorgt, dass die aus Finanznot geschlossenen Zoo- und Tierpark-Schulen für Kinder und Jugendliche im letzten Jahr wieder eröffnet werden konnten. Schulsenator Klaus Böger würdigte dies im Sommer als beispielhafte Partnerschaft zwischen Land Berlin und Wirtschaft. Gesponsert wird der Unterricht von der GSW mit „deutlich über 50 000 Euro im Jahr“. Zusätzliche Großsponsoren sind nötig – aber nicht in Sicht, wie die Direktoren Jürgen Lange und Bernhard Blaszkiewitz sagen. Mercedes, Sparkasse oder Langnese – das sind Namen, über die sich der Leipziger Zoo freuen kann. „Wir bemühen uns, Kontakte zu pflegen und zu bewahren“, sagen die Leipziger. Sie gelten als besonders agile Sponsor-Experten.

Der Tierpark kann sich zumindest freuen, dass die Lottostiftung zwei Millionen Euro zugesagt hat. Beide Berliner Tierparks sind angenehm überrascht, dass sich ZDF und ARD gemeldet haben. Tier-Serien gelten als imagefördernd. Durch kleinere Spenden und Nachlässe kommen jährlich Millionenbeträge zusammen. Private Einzelspender geben bis zu 500 000 Euro. Auch Kleinvieh macht Mist: Der Zoo erhielt letztes Jahr 1260 Euro – aus Bußgeldverfahren. Der Umbau des Antilopenhauses wurde nur aus Spenden finanziert. Dank Daniel Wall wissen Besucher auf Anhieb, wo es zu finden ist.

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