Berlin : Pathos über dem Wannsee

Erstmals lud der amerikanische Botschafter zum Independence Day in die American Academy

Elisabeth Binder

Dreitausend Hände zu schütteln – das ist sicher nicht die Idealvorstellung eines Amerikaners vom Unabhängigkeitstag. Für Botschafter Dan Coats und Frau Marsha Ann gehört es zum Job dazu. Ihren Gäste richteten sie zum Nationalfeiertag in diesem Jahr allerdings eine Feier aus, die amerikanischer nicht hätte sein können.

Feuerwerk zum Beispiel gehört unbedingt dazu. In dem grandiosen Lichtregen, der am späten Abend über dem Wannsee zu sehen war, funkelte auch das Motiv „July 4th“ in Blauweißrot. Das war aber nur möglich, weil man erstmals einen neuen Ort ausprobiert hat: die American Academy. Traditionell empfing der Botschafter in seiner Dahlemer Residenz die deutschen Honoratioren. Für die Amerikaner gab es einen eigenen Empfang. Diesmal mischte sich erstmals alles im großen Park der Academy. Deren Chef, Gary Smith, fand die Idee brillant. So könne man zeigen, dass das Haus während des Sommers auch für weitere Veranstaltungen zur Verfügung stehe. Außerdem ergaben sich Begegnungen mit neuen Gesprächspartnern. Davon machten unter anderem die Minister Otto Schily, Wolfgang Clement und Brigitte Zypries Gebrauch. Hamburger, Pommes und Hot Dogs, patriotische Delikatessen also, gehören zu diesem Tag natürlich auch dazu. Botschafter Coats bat die Gäste, sich die Sponsoren-Liste im Programm genau durchzulesen. Außerdem enthielt das Programm noch das Gedicht von Emma Lazarus, das am Fuß der Freiheitsstatue steht. Ein bisschen Pathos ist nun mal unerlässlich, wenn die Amerikaner ihre Unabhängigkeit feiern. Nach der deutschen und der amerikanischen Nationalhymne, sehr schön von Damon Kirsche und Hila Plitman gesungen: „America the Beautiful“. Dann verlas der Botschafter die Ansprache, die US-Präsident George W. Bush an alle Botschaften in der Welt geschickt hat: „Amerikas Stärke und Wohlstand geben Zeugnis von der bleibenden Kraft unserer Gründungsideale, unter anderem, dass alle Menschen gleich geschaffen sind und Freiheit Gottes Gabe an die Menschheit ist, das Geburtsrecht jedes Einzelnen“. In seiner persönlichen Ansprache ging Coats auf die tiefen Wurzeln der deutsch-amerikanischen Partnerschaft ein.

Für den neuen Pastor Ben Coltvet der American Church in Berlin war’s der erste Unabhängigkeitstag auf einem anderen Kontinent. Die politischen Differenzen zwischen den Ländern seien die eine Sache, was ihn aber besonders bewegt habe, seien die vielen guten Begegnungen mit den Menschen hier gewesen.

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