Berlin : Patient City-West: Bikini-Haus wird geliftet

Am Breitscheidplatz bröckeln die Fassaden der denkmalgeschützten Gebäude Nach jahrelangem Stillstand soll nun bald die Sanierung beginnen

Christian van Lessen

Das neue große „Bayer“-Zeichen auf dem Dach des Zoo-Hochhauses an der Hardenbergstraße dreht sich wie der Mercedes-Stern auf dem Europa-Center. Es vermittelt „Metropolencharakter“, wie Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) findet. Die Reklame im Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf durchzusetzen, war nicht einfach. Nun thront sie über der City-West als weiteres Markenzeichen.

Aber darunter, rund um den Breitscheidplatz, ist noch einiges im Argen. Seit Ewigkeiten liegt beispielsweise die Baugrube für das „Zoofenster“- Hochhaus an der Hardenbergstraße brach, seit Jahren soll das Schimmelpfeng-Haus nebenan für ein weiteres Hochhaus abgerissen werden. Heilung benötigt der „Zoobogen“-Komplex selbst, zu dem das Zoo-Hochhaus gehört; des Weiteren der Zoopalast, das Bikini-Haus, der Kugelbau für die Christiansen-Sendung, das kleinere Hochhaus mit Parkebenen.

Die Bayerische Bau- und Immobiliengruppe hat den denkmalgeschützten Fünfziger-Jahre-Komplex, der den nördlichen Breitscheidplatz prägt, vor fünf Jahren gekauft. Sie will die Gebäude modernisieren und ergänzen. Seither ist wenig passiert, vor allem die Fassaden des Bikini-Hauses bröckeln. Immer wieder wurden Baupläne angekündigt. Zum Bikini-Haus sollten ein „themenbezogenes“ Hotel, moderne Büros und anspruchsvolle Geschäfte gehören. An den Vorstellungen hat sich nichts geändert. Nur der Zeitplan rückte immer weiter nach hinten.

Die Hoffnungen machte der Immobilienmarkt zunichte. „Er hat sich nicht zum Vorteil verändert“, sagt Firmensprecher Thomas Empt. Das zeigten auch bislang gescheiterte Hochhausprojekte in der näheren Umgebung. Für das Zoobogen-Projekt seien langer Atem und eine sichere Vor-Vermietung nötig, „denn wir wollen für Berlin keinen Leerstand bauen“. Die Firma suche für ihr Projekt auch noch einen Partner als Ko-Investor. Dennoch: „Wir wollen noch in diesem Jahr Planungssicherheit haben.“

Empt sagt, dass die Firma das Baurecht für bis zu 30 000 zusätzliche Quadratmeter auf dem hinteren Teil des Grundstücks haben möchte. Etwa für das themenbezogene Mittelklassehotel, für Geschäfte und neue Büros. Außerdem werde es einen zusätzlichen Zoo-Eingang im Bikini-Haus geben, also direkt am Breitscheidplatz. Und für das Kino Zoopalast – das sei doch für die Berliner jetzt erst einmal besonders wichtig – habe man mit dem Denkmalschutz eine Lösung gefunden. Die Abrisspläne seien vom Tisch, der Kino-Standort bleibe erhalten, der große Saal werde nur kleiner, und die kleinen Säle mache man größer.

Die geplanten Veränderungen im Zoobogen wolle man noch in diesem Jahr in einem städtebaulichen Vertrag mit dem Bezirksamt festschreiben, sagt Empt. Stadtrat Gröhler erwartet, wie er mitteilt, die Unterzeichnung Ende September. Für den Fortbestand des Kinos habe man städtebauliche Zugeständnisse machen müssen, gerade im hinteren Bereich des Bikini-Grundstücks. Aber der zusätzliche Zoo-Eingang werde das Haus, das auch einen großen „Ankermieter“ als Magneten brauche, attraktiv machen. Es werde den Zoo „aus der dritten Reihe“ nach vorn bringen – auch dazu führen, dass der nördliche Breitscheidplatz noch mehr vom Publikum angenommen werde als bisher. Der Wegfall des Autotunnels hätte den nördlichen Teil aber ohnehin schon aus der abgeschnittenen Hinterhofsituation befreit, meint Gröhler.

Der kurz vor der Fußball-WM fertiggestellte „neue“ Platz wirkt noch immer auffallend gepflegt. Tunnel und Hochbeet bildeten eine Barriere, die niemand mehr vermisst. Nun aber rollen die Autos vierspurig zu ebener Erde durch das hintere Drittel des Platzes, und es ist merklich lauter geworden. An der Finanzierung der neuen Straßenführung hatten sich auch die Investoren der Umgebung beteiligt, wie die Eigentümer des Zoobogens, des Schimmelpfeng-Hauses, des „Zoofenster“-Grundstücks oder auch des Europa-Centers. Vom Ende des Tunnels, vom optischen Zusammenwachsen des Platzes, sollten auch die Geschäfte auf der nördlichen Seite profitieren.

Ob sie das tun – darüber gehen die Meinungen auseinander. Es herrscht zwar viel Gewusel, aber Geschäftsleute sagen, sie merkten keine höheren Umsätze. Im Gegenteil. Es mache sich eben auch hier bemerkbar, dass im Bahnhof Zoo keine ICE-Züge mehr hielten. „Das ist provinziell“, sagt die Verkäuferin eines Taschengeschäfts. Aber die Metropole lässt grüßen – als Reklame vom Dach.

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