PATIENTENPORTRÄT : Paula und Bernadette, vier Jahre

Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Diagnose:

Frühgeburt

Behandlung: Kaiserschnitt, Intensivstation

Krankenhaus: Vivantes Klinikum Neukölln

Vorgeschichte: Paula und Bernadette Klawitter kramen in den Kisten mit ihren Babysachen und können es kaum glauben: Diese winzigen Strampler sollen ihnen mal gepasst haben? Sieht man die fröhlichen Zwillinge heute, ist es schwer vorstellbar, dass jede von ihnen bei der Geburt nicht größer war als zwei Handvoll: Geboren in der 28. Schwangerschaftswoche, wog Paula 995 Gramm, Bernadette nur 795 Gramm. Für ihre Mutter Veronika Klawitter war es allerdings nicht die erste Frühgeburt: Bereits ihr ältester Sohn war viel zu klein und zu leicht geboren worden. „Ich ahnte, dass es erneut eine Risikoschwangerschaft werden würde“, sagt die 39-Jährige. Grund dafür war eine Gestose, eine Krankheit, unter der sie schon während ihrer ersten Schwangerschaft litt und die sich unter anderem in einem erhöhten Blutdruck bei der Mutter äußert. Daher stand Veronika Klawitter während der Schwangerschaft in engem Kontakt mit ihrer Frauenärztin: „Als mein Blutdruck immer weiter stieg und sich in meinen Beinen viel Wasser einlagerte, wusste ich, was die Stunde geschlagen hatte“, sagt sie. „Ich hätte aber gerne vorher noch das Kinderzimmer fertig eingerichtet.“ Daraus wurde nichts: Da eine Gestose für die Mutter lebensgefährlich werden kann, entschied die Frauenärztin, Veronika Klawitter ins Krankenhaus einzuweisen.

Behandlung: Anfangs war Veronika Klawitter im Krankenhaus noch ganz entspannt: „Ich dachte, drei Wochen schaffe ich noch.“ Die Ärzte waren anderer Meinung: Stets überwachten sie ihren Blutdruck und gaben ihr Cortison-Spritzen, um die Lungenreifung der Zwillinge zu beschleunigen. Nach drei Tagen war es dann so weit: Um die Gesundheit der Mutter nicht weiter zu gefährden, entschieden die Ärzte, die beiden Mädchen per Kaiserschnitt auf die Welt zu holen. Direkt nach der Geburt gaben sie Entwarnung: Den Umständen entsprechend seien die Zwillinge wohlauf. Dennoch kamen Paula und Bernadette auf der Kinderintensivstation in einen „Brutkasten“, den sogenannten Inkubator, und mussten künstlich beatmet werden. Zudem entwickelte Paula eine Neugeborenen-Gelbsucht; Bernadettes Lungenkreislauf verband sich mit dem Körperkreislauf erst nach einer medikamentösen Behandlung, später zog sie sich noch einen doppelten Leistenbruch zu, der operiert werden musste. Erst nach sechs Wochen auf der Kinderintensivstation und weiteren vier Wochen auf der Neugeborenenstation konnten sie das Krankenhaus verlassen.

Das Leben danach: Fast zwei Jahre haben sie gebraucht, um in der Entwicklung zu „normal geborenen Kindern“ aufzuholen. In dieser Zeit mussten die Mädchen viele Untersuchungen über sich ergehen lassen, „zum Glück wurde ihnen aber eine Wiedereinweisung ins Krankenhaus erspart“, sagt die Mutter. Hilfe erhielten die Eltern vom Kindergesundheitshaus, dem Förderverein der Kinderklinik, in dem Veronika Klawitter mittlerweile auch arbeitet. „Es war einfach ein gutes Gefühl, zu wissen, dass wir nicht alleine sind.“ mw

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