PATIENTENPORTRAIT : Rosemarie Schulz*, 39

Diagnose: HIV-positiv

Behandlung: medikamentös

Praxis: Ärztezentrum Nollendorfplatz, Nollendorfplatz 3-4, 10777 Berlin-Schöneberg

Vorgeschichte: Kaum überhörbar – die zierliche Frau mit den roten Haaren ist Ur-Berlinerin. Aufgewachsen in Friedenau, wohnt Rosemarie Schulz nun in Neukölln. Zusammen mit ihrer Tochter, 20 Jahre, die bald ihr Studium beginnt. Ihr Sohn, 17, habe sich „falschen Freunden“ angeschlossen. Von ihm hört sie kaum was. Anfang der 90er heiratet die Verkäuferin ihren heutigen Ex-Mann. Mit ihm hat sie später „einen richtigen Rosenkrieg“. 2001 folgt die Scheidung.

Test: Wegen einer Lungenentzündung kommt Rosemarie Schulz 2005 ins Krankenhaus. Die Ärzte sind skeptisch und machen einen HIV-Test. Ohne es ihr zu sagen, was in Deutschland verboten ist. Doch diese frühe Entdeckung verlängert vielleicht Schulz’ Leben. „Für mich ist eine Welt zusammengebrochen“, sagt sie. „Ich dachte: Innerhalb eines halben Jahres bin ich tot.“ Eine Ärztin habe ihr dann gesagt: „Sie werden noch auf der Hochzeit ihrer Enkel tanzen.“ Über ihre Infektion hat Schulz dennoch mit niemandem gesprochen. Auch aus Angst vor Vorurteilen. Außer ihrem Arzt, der Klinik und der Krankenkasse weiß niemand, dass sie HIV-positiv ist. Wobei sie sich angesteckt hat, ahnt Rosemarie Schulz. Anfang 2005 hatte sie einen bisexuellen Freund, der sich vermutlich bei anderen Männern infiziert hat.

Das Leben danach:„Ich war richtig am Boden, und wollte aber noch mal durchstarten“, sagt Rosemarie Schulz. Sie lässt sich 2007 zur Altenpflegerin ausbilden. Ein Knochenjob. Regelmäßig muss sie Patienten, doppelt so schwer wie sie selbst, aus dem Bett heben. Zwei Jahre arbeitet sie in einem Pflegeheim, erst vor wenigen Monaten hat sie aufgehört. Nachtschichten, stressige Vorgesetzte, Erschöpfung. Zum Glück blieb die Viruslast lange ohne Medikamente unter der Nachweisgrenze, ihr Körper hielt die Erreger trotz Stress allein in Schach. Erst seit 2007 muss Schulz jeden Morgen zwei Tabletten nehmen. Schwer erkrankt ist sie seitdem nicht. „Das kann noch Jahre gut gehen, muss es aber nicht.“ Sie geht nun regelmäßig zur Psychotherapie: „Ich hoffe, bald die Kraft zu haben, es meinen Kindern zu sagen.“hah

*Name geändert

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