• Paul Gerhardt Stift in Wedding: Angela Merkel informiert sich über alternde Gesellschaft

Paul Gerhardt Stift in Wedding : Angela Merkel informiert sich über alternde Gesellschaft

Angela Merkel besucht das Paul-Gerhardt-Stift in Wedding. Und erfährt, wie der demografische Wandel im Alltag funktioniert.

Vortanzen.
Vortanzen.Foto: REUTERS

Weit hatte es die Kanzlerin nicht. Vom Bundeskanzleramt bis in die Müllerstraße in Wedding sind es fünf Kilometer, und da auch kein Schneesturm ihre Anreise behinderte, kam Angela Merkel am Donnerstagmorgen pünktlich am Paul Gerhardt Stift an. Erwartet von Geschäftsführerin Ute Köpp-Wilhelmus, Stiftsvorsteher Pfarrer Martin von Essen und Dutzenden Journalisten, schreitet Merkel im roten Blazer, die Hände zur Raute geformt, in den Klosterhof. An einer Info-Tafel lässt sie sich den Gebäudekomplex erklären, lächelt kurz für die Fotografen, murmelt „wunderbar“ und entschwindet für einen Rundgang durchs Stift.

Merkel informiert sich über den demografischen Wandel

Um sich auf den Demografiegipfel der Bundesregierung im Westhafen vorzubereiten, wollte sich Merkel einen Einblick in die praktischen Herausforderungen der älter werdenden Gesellschaft verschaffen und sich über die Arbeit im Stadtteil- und Familienzentrum informieren. Seit 1888 gibt es das Stift in der Müllerstraße. Zeitweise kümmerten sich hier 400 Diakonissen um Kranke und Arme, später entstanden auch eine Poliklinik, ein Kinderheim und ein Krankenhaus. Heute gibt es nur noch drei Diakonissen – auch das Profil des Stifts hat sich verändert. 137 Flüchtlinge werden aktuell betreut. Außerdem bietet das Stadtteilzentrum Deutschkurse für Eltern mit Migrationshintergrund, Räumlichkeiten für Kiezinitiativen und eine Kinderbibliothek an. „Wir wollen kein Problemort, sondern ein Platz der gesellschaftlichen Inklusion sein“, sagte Köpp-Wilhelmus.

Die Bewohner des Stifts in der Müllerstraße gaben sich Mühe, einen guten Eindruck zu machen. Hier werden auch Flüchtlinge betreut.
Die Bewohner des Stifts in der Müllerstraße gaben sich Mühe, einen guten Eindruck zu machen. Hier werden auch Flüchtlinge betreut.Foto: AFP

Mehr Geld für die Pflege notwendig

Dafür gibt es auch eine Senioren-Tanzgruppe. Die hat am Donnerstag ihren großen Auftritt. Während Merkel noch mit Schülern einen Kaffee trinkt, läuft für die zehn Senioren – vor allem Frauen – unter den Augen der Fotografen die Generalprobe. Dann kommt die Kanzlerin. Die Musik geht an, die Senioren beginnen zu tanzen, einmal klatschen, einmal stampfen, Partnerwechsel, Blitzlichtgewitter. Merkel nickt anerkennend.

Nach 45 Minuten gibt die Bundeskanzlerin zum Abschluss ein zweiminütiges Statement ab. Sie sei dankbar für die Arbeit der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter, die Generationen zusammenführe. „Es zeigt sich aber auch, dass sich ehrenamtliches Engagement nur entfalten kann, wenn dahinter Professionalität und feste und sichere Strukturen stehen“, sagt sie. Dann bekommt sie ein Buch über die Geschichte des Stifts überreicht und verlässt, begleitet von ihren Bodyguards, das Gebäude.

„Ich glaube, es hat ihr sehr gut bei uns gefallen“, sagt Pfarrer Martin von Essen später. Er hofft, dass die Politik Pflegeberufe durch mehr Geld und Anerkennung attraktiver mache. „Uns fehlt schon jetzt Personal in der ambulanten und stationären Pflege“, sagt er. Darüber habe er auch mit der Kanzlerin gesprochen. Allein dafür habe sich der Besuch gelohnt.

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