Berlin : Paul-Löbe-Haus: Der Blick des Bundes

Holger Wild

Das "Band des Bundes" - hier wird es sichtbar. Was vom Platz der Republik aus wie ein Riegel wirkt, der vor den Spreebogen gelegt ist, macht von innen diese Kette von Gebäuden unmittelbar augenfällig, die Axel Schultes für Regierung und Parlament nördlich des Reichstags entworfen hat. Man muss hineingehen ins Paul-Löbe-Haus, um das Band richtig erfahren zu können: Zwei haushohe Glasfassaden schließen im Westen und Osten die über 150 Meter lange zentrale Halle des früher "Alsenblöcke" genannten Gebäudes ab - hinter der einen strahlt weiß das Kanzleramt, durch die andere reicht der Blick über die Spree auf den Rohbau des Marie-Elisabeth-Lüder-Hauses, der mittlerweile auch seiner Vollendung entgegensieht.

Und man wird es betreten können, dieses Haus, auch wenn man dem Bundestag nicht angehört: Außer 510 Büroräumen für 170 Abgeordnete und ihre Mitarbeiter, 21 Sitzungssäle für Ausschüsse und rund 450 Büros für die Ausschuss-Sekretariate ist hier auch die Besucher-Betreuung des Bundestages untergebracht. 81 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche hat der Architekt Stephan Braunfels errichtet - eine gewaltige Menge, und so ist das Gebäude im Verhältnis zu Reichstag und Kanzleramt deutlich zu wuchtig geraten. Sieben Geschosse stapeln sich unter der mit Glas ausgefachten Beton-Kassettendecke, eines davon teilweise versenkt. Vom Haupteingang in der Westfassade geht es eine Treppe auf den Boden der Halle hinab, doch am anderen Ende, an der Spree, liegt dieser auf Erdniveau. Außen fällt das Gelände entsprechend ab. Die acht ebenfalls versenkten Höfe werden nach außen nur durch eine Glasbrüstung abgegrenzt; die so erreichte "Sprunghöhe" von vier Metern genügt der Sicherheit und erspart einen Zaun. An den Seiten werden die Höfe durch die Stahl-Glas-Fassaden der Bürotrakte geschlossen, ihre Rückseiten bilden die verglasten Zylinder mit den Ausschuss-Sälen. Im Gebäudeinneren springen diese Rotunden in die Halle vor und gliedern sie im Wechsel mit den gläsernen Aufzügen vor den Bürotrakten. Eine weitere Rotunde, die größte, hat Braunfels an die Spree gestellt. Dort befinden sich ein Restaurant für die Abgeordneten, eins für die Besucher sowie der "Europa-Saal" mit Dolmetscherkabinen.

Braunfels wünscht sich, dass der Sichtbeton seines Bauwerks noch mit einer Lasur zur Aufhellung überzogen wird. Ursprünglich war es in Weißbeton geplant, was dem Bundestag aber zu teuer war. Auch die drei bis vier Millionen Mark für die Lasur möchte er nicht ausgeben - sollte es aus ästhetischen Gründen aber tun.

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