Berlin : "Paul von Hase": Ein Soldatenleben

Roland Kopp: Paul von Hase. Von der Alexander-Kase

Selten glückt solch ein Zusammentreffen: Der Wiederaufbau eines Ortes der Geschichte (wenn auch nur in der äußeren Hülle) und die Vorlage einer qualifizierten Schrift über eine Person, die an diesem Ort handelte. Gemeint ist die Kommandantur Unter den Linden 1 und der letzte Kommandant von Berlin, Paul von Hase, der in diesem Haus von 1940 bis 1944 gewirkt und gewohnt hat.

In der Einleitung zu seinem als Promotionsschrift (Universität Paderborn) verfassten Buch verweist der Autor Roland Kopp auf eine Pressenotiz des Jahres 1994, wonach über von Hase wenig bekannt sei. Sein Buch folgt dem klassischen Aufbau einer Biographie. Der Leser kann Herkunft und Lebensweg verfolgen, der an den Stationen des militärischen Werdegangs festgemacht ist.

Die Darstellung weist einen deutlichen Bruch im Jahr 1938 auf. Von nun steht nicht mehr das Persönliche Vordergrund, überlagert wird es von den biographischen Einschnitten auf dem Weg in den Krieg. 1939 wird von Hase dann Wehrmachtskommandant von Berlin. Minutiös wird sein Wirken in dieser Funktion behandelt und insbesondere auch als Gerichtsherr untersucht.

Paul von Hause, dessen regimekritische Haltung den Köpfen des Widerstandes bekannt war, kam spät in den Kreis der Personen des 20. Juli 1944. Dafür war aber seine Person, bedingt durch die Funktion des Stadtkommandanten, für die konkrete Ausführung von größter Bedeutung, denn "nicht zuletzt von den ihm unterstellten Truppen hing es ab, ob die Reichshauptstadt in die Hand der Militäropposition gelangte", wie Kopp schreibt. Obwohl der Autor diesen Vorgang vor allem quellenkritisch unterlegt, ist dieser und der folgende Abschnitt für die Vorgänge des 20. Juli 1944 in Berlin von besonderer Bedeutung. Klar in der Sprache, wird der Handlungsort Unter den Linden 1 für das gesamte Unternehmen herausgearbeitet, und wir erhalten ein differenzierten Blick auf den an diesem Ort stattgefundenen Teil des Vorgangs. Ein empfehlenswertes Buch, gerade für Lehrer in Berlin. LAURENZ DEMPS

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