Berlin : Pauls Party

Sechs Jahrzehnte steht Paul Kuhn auf der Bühne. Zu seinem 75. Geburtstag ist er jetzt auf Deutschlandtournee

Eine kurze Verbeugung, ein dezentes Lächeln aus dem faltigen Gesicht, und schon sitzt er am Flügel. Er singt mit sonorer, rauchiger Stimme: „What good is melody, what good is music…“ 75 ist Paul Kuhn nun, und die Bühne lässt ihn nicht los. Zum Geburtstag hat sich die Legende der deutschen Unterhaltungs- und Jazz-Musik selbst beschenkt: mit einer Deutschlandtournee. Den Rücken halb zum Publikum gedreht sitzt er vor dem Flügel im Audi-Forum. Seine Finger gleiten über die Tasten. Man merkt ihm seine hingebungsvolle Konzentration an, wenn sich die Augenbrauen kräuseln und er die Lippen schürzt.

1936 stand Kuhn das erste Mal vor Zuschauern. Mit einem Akkordeon, auf der Funkausstellung. Da war er acht Jahre alt. Sechs Jahrzehnte später lockt ihn die Bühne immer noch. „Ich wüsste gar nicht, was ich sonst machen sollte.“ Wie kaum ein anderer prägte Kuhn die Unterhaltungsmusik, war Komponist, Sänger, Fernsehmoderator. In der Schöneberger Femina-Bar feierte er seine ersten Erfolge, 1968 kam er als Dirigent zur SFB-Bigband. 1980 wurde sein Vertrag dort nicht verlängert. Eine Weile sah es so aus, als sei seine Karriere damit beendet.

Nun steht er wieder auf der Bühne, ein Grandseigneur mit schwarzem Anzug und Einstecktuch. Vor ihm das Publikum, die meisten aus seiner eigenen Generation swingen selig mit. Das Paul Kuhn Trio besteht aus dem Schlagzeuger Willy Ketzer und den Bassisten Paul Ulrich. „Fünf Herren, die Jazz-Geschichte geschrieben haben“, wie Kuhn seine Begleiter vorstellt: den ehemaligen Leiter der Rias-Bigband, Jiggs Whigham, und Benny Bailey, der schon vor über 50 Jahren mit Lionel Hampton spielte. Dazu Dusko Goykovich, Peter Weniger, Gustl Mayer und Sängerin Greetje Kauffeld.

Ob die Ballade „My funny Valentine“, Samba-Rhythmen mit „Heading South“ oder das unvermeintliche, fetzige „Route 66“: Der Spaß am virtuosen Spielen eint die Männer. Whigham geht in die Knie, Bailey neigt bedächtig den Kopf und Paul Kuhn wirft zum Schluss eine Kusshand in Richtung Zuschauer. „Gute Nacht“, sagt er, „Sie waren wie immer ein gutes Berliner Publikum.“ Malte Meinhardt

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