Pausengespräche : Berliner Schulen sollen über Deutschpflicht selbst entscheiden

Der Berliner Bildungssenator Zöllner will den Schulen keine Deutschpflicht verordnen. Die Entscheidung, ob die deutsche Sprache auch in den Pausen gesprochen werden muss, sollen die Schulen selbst treffen können.

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Ob es die deutsche Sprache auch außerhalb des Unterrichts an Schulen verpflichtend gesprochen werden muss, ist umstritten.
Ob es die deutsche Sprache auch außerhalb des Unterrichts an Schulen verpflichtend gesprochen werden muss, ist umstritten.Foto: dpa

Nachdem der Generalsekretär der Bundes-FDP Christian Lindner und die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Maria Böhmer (CDU) gefordert hatten, auf Schulhöfen Deutsch zu sprechen, ist die Debatte auch in Berlin wieder entbrannt. Hier ist die Diskussion zwar nicht neu – vor fünf Jahren hatte sich die Weddinger Herbert-Hoover-Sekundarschule per Beschluss der Schulkonferenz als erste eine solche Pflicht auferlegt. Nachdem damals allerdings noch harsche Kritik am Handeln der Schule geübt worden und etwa von „unzumutbarer Diskriminierung“ die Rede war, geht die Debatte nun über den Einzelfall hinaus.

Wenn eine Schule mit ihren Gremien sich für die Deutschpflicht entscheide, könne man nicht dagegen sein, sagte etwa der grüne Bildungsexperte Özcan Mutlu. Die deutsche Sprache müsse bestmöglich gefördert werden. Flächendeckend eine Deutschpflicht einzuführen, greife hingegen zu kurz: „Eine Deutschpflicht auf Schulhöfen löst die Integrationsprobleme nicht.“ Die bildungspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion Mieke Senftleben hält eine Deutschpflicht innerhalb des Schulbereichs zwar für erstrebenswert, die einzelnen Schulen müssten dies allerdings eigenverantwortlich regeln. Der CDU-Landesvorsitzende Frank Henkel hingegen sagte: „Es muss eine Selbstverständlichkeit sein, dass auf deutschen Schulhöfen Deutsch gesprochen wird.“

Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) will die Entscheidung den Schulen überlassen. Ob die sich außerhalb des Unterrichts verpflichten, Deutsch zu sprechen, könne „nur im Konsens mit allen Beteiligten erfolgen.“ Nur wenige Berliner Schulen wie etwa die Borsig-Schule sind dem Beispiel der Hoover-Schule bislang gefolgt. Dort muss jeder neue Schüler eine Bildungsvereinbarung unterzeichnen, in der er verspricht, auch während der Pausen nur Deutsch zu sprechen. Dabei gehe es weniger um eine „Verordnung“ oder Sanktionsmöglichkeiten als um eine gemeinsame Basis, sagte Schulleiter Thomas Schumann. „Was wir als Schule miteinander vereinbaren, wird auch angenommen.“ Dennoch halte er es auch grundsätzlich für sinnvoll, dass auf Schulhöfen Deutsch gesprochen werde.

Die Hausordnung der Hoover-Schule ist rechtlich bindend. Unklar ist, ob eine allgemeine Deutschpflicht auf Schulhöfen möglich wäre. „Ich bezweifle, dass sich das Verbot von Fremdsprachen auf den Schulhöfen mit unserem Grundgesetz vereinbaren lässt“, sagte Mutlu. Rechtsexperten der Parteien sagten, es sei nicht eindeutig, ob eine solche Regelung vom staatlichen Erziehungsauftrag gedeckt werde und verhältnismäßig sei.pth

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