Berlin : PDS: Der schwere Weg zum neuen Image

Susanne Vieth-Entus

Die PDS ist im Stress. Es sind weniger die unbeholfenen Kalte-Kriegs-Attacken der CDU als die Heckenschützen aus den eigenen Reihen, die eine Image-Veränderung der demokratischen Sozialisten gefährden. Mal wollen die eigenen Genossen den Mauerbau verteidigen, mal BMW vergesellschaften, mal das Stasi-Regime verharmlosen. Immer gibt es dann für die Vorzeige-Figuren Gregor Gysi oder Petra Pau jede Menge geradezurücken. Schadensbegrenzung ist auch nach dem missglückten Internet-Auftritt der PDS-Hohenschönhausen nötig.

Ein ehrenamtlicher Mitarbeiter hatte sich dort auf Dutzenden Seiten über die Geschichte des Bezirks und das dortige Stasi-Untersuchungsgefängnis ausgelassen. Hier schrieb er sich richtig in Rage darüber, dass sein Bezirk zu Unrecht mit diesem unrühmlichen Gebäude gleichgesetzt werde. Und im übrigen sei die Haftanstalt auch gar nicht so schlimm gewesen: zwar "sicherlich kein Zuckerschlecken" für die Insassen, aber das sei ja auch Stammheim nicht für die RAF-Gefangenen gewesen. Und dann fragte er spitz, ob denn die Insassen des MfS-Gefängnisses "alles Unschuldige" waren. Oder nicht doch solche, "die mit Spionage vorsätzlich Gesetze der DDR - eines völkerrechtlich anerkannten Staates verletzten".

Rund ein Jahr lang, so schätzt die PDS-Bezirksvorsitzende Annegret Gabelin, habe dieser Text auf der Homepage gestanden, ohne dass sie ihn bemerkte. Sie sei "überfordert" gewesen mit den "100 Seiten online", und auch andere PDS-ler hätten sie nicht darauf angesprochen. Dies änderte sich schlagartig durch einen Fernsehbericht, der den Text an die Öffentlichkeit brachte. Aufgeschreckt reagierte die Landesvorsitzende Petra Pau mit einem "Widerspruch" auf der Hohenschönhausener Homepage. Dort nennt sie die erwähnten Zitate "schlicht zynisch" und fügt hinzu, dass sie sich weigere, diese Zitate "angesichts gedemütigter und lebenslang gezeichneter Insassen zu kommentieren". Einen Tag später distanzierte sich die Bezirksfrau Annegret Gabelin von den "einseitigen, vereinfachenden Auffassungen und Wertungen" des Homepage-Artikels, der "in der Autorenschaft eines Redakteurs" entstand. Im übrigen seien die Seiten jetzt runtergenommen worden, ergänzte sie auf Anfrage.

Offenbar aber hat die PDS-Hohenschönhausen ihre Homepage noch immer nicht in den Griff bekommen. Zwar verschwanden die zitierten Passagen. Nicht eliminiert wurde allerdings ein Abschnitt, in dem das Gefängnis ebenfalls verharmlost und Häme über den inzwischen verstorbenen Dissidenten und Schriftsteller Jürgen Fuchs ausgegossen wird. So heißt es über die politischen Gefangenen "körperliche Gewalt gegen sie gab es nicht". Weiter wird behauptet, dass der berüchtigte Gefängniskeller mit fensterlosen Isolationszellen, die zeitweise unter Wasser gesetzt wurden - das so genannte U-Boot - , nicht durch die Stasi genutzt worden sei. Nur die Sowjets hätten sich bis zur Übergabe an das DDR-Innenministerium 1951 der berüchtigten Einrichtung bedient. In der Gedenkstätte Hohenschönhausen heißt es dagegen unter Hinweis auf Zeitzeugen und Betroffene, dass die Kellerzellen "nachgewiesenermaßen" von der Stasi eingesetzt wurden - in Einzelfällen sogar "bis in die 80er Jahre".

PDS-Vertreterin Annegret Gabelin bedauert auf Nachfrage, dass diese Passage noch immer auf der PDS-Homepage zu lesen ist - jedenfalls bis vergangenen Freitagabend unter www.pds-Hohenschoenhausen.de/hshhist.htm - und verweist auf einen "Webmaster", der den Text eigentlich entfernen sollte. Allerdings ist sie von den Angaben der Gedenkstätte nicht so ganz überzeugt und will zu dem Thema "U-Boot" lieber erstmal einen "Disput der Historiker" führen. Die Häme über Jürgen Fuchs will sie nur als "persönliche Meinung" des Homepage-Redakteurs verstanden wissen.

Fuchs wird in dem Text als Verfasser "mittelmäßiger Literatur" heruntergeputzt, der vom Westen zu DDR-Zeiten "hofiert" worden sei. Dass er dann hinter Gitter kam, habe an seinen "immer wütenderen Angriffen" auf den DDR-Staat" gelegen. "Selber Schuld" lautet der Tenor dieser Passage.

Der Hohenschönhausener PDS-Abgeordnete Peter-Rudolf Zotl bedauert den Textabschnitt über Fuchs und auch die Behauptung, dass es keine Gewalt gegeüber politischen Gefangenen gegeben habe als "unsagbar unsachlich". Ihm persönlich liege es fern, das Geschehen in dem Gefängnis zu verharmlosen. Zudem habe sich die Hohenschönhausener PDS längst zu der Gedenkstätte bekannt und sich von einer Gruppe distanziert, die gegen das Gedenkstättenkonzept Stimmung gemacht hatte.

Der Homepage-Betreuer sei angesichts der Kritik an seinen Seiten wütend "abgetaucht". Bleibt die Frage, warum die Stasi-Verharmlosungen ein Jahr lang unbeachtet blieben. Schwer zu glauben, dass keiner der tausenden PDS-Nutzer die Passagen gelesen hat. Wahrscheinlicher ist, dass mancher drauf stieß, aber keinen Anstoß daran nahm.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar