• PDS heißt nun auch in Berlin Linkspartei Spitzenkandidat Gysi will Kapitalismus überwinden

Berlin : PDS heißt nun auch in Berlin Linkspartei Spitzenkandidat Gysi will Kapitalismus überwinden

Lars von Törne

Gregor Gysi sieht in dem Schritt eine einmalige Möglichkeit. Noch nie seien die Chancen der PDS, sich im Westen zu etablieren, so groß gewesen wie jetzt, rief der tags zuvor gekürte Spitzenkandidat den Delegierten des PDS-Parteitages am Sonntag zu. „Wir wollen eine gesamtdeutsche Partei werden“, sagte Gysi. Er warb kräftig für die Umbenennung in Linkspartei, um der überwiegend westdeutschen Wahlalternative WASG entgegenzukommen, die langfristig zum West-Flügel einer gemeinsamen Partei werden soll. „Wir gelten in den alten Bundesländern immer noch als ausländische Partei“, sagte Gysi.

Am Schluss folgten ihm 95 Prozent der 113 Delegierten. Unter Beifall entrollten Helfer ein Transparent in der Tagungshalle im Energieforum am Ostbahnhof: „Die Linke. PDS, Landesverband Berlin“, stand darauf – deutlich bestimmt vom roten „PDS“. Die Umbenennung in Berlin ist eher von kosmetischem Charakter. Zuvor hatte die Bundespartei den Landesverbänden freigestellt, den alten Namen parallel weiterzuführen. Berlins PDS war nun die letzte, die die Änderung vollzog.

Gysi schlug in seiner Rede einen Bogen von der DDR in die Bundesrepublik der Zukunft. Nach der Wende 1989 sei zwar „der Kapitalismus übrig geblieben“, aber dieser sei „nicht das letzte Stadium der Geschichte“. Das ist für Gysi der demokratische Sozialismus. Seine Partei müsse „das Positive aus der DDR bewahren und das Negative verurteilen“ – wobei er den Akzent auf das Positive legte. Es habe in der DDR zwar „auch soziale Unterschiede“ gegeben, aber die Diskrepanz zwischen Arm und Reich sei damals in Tausendern gemessen worden, nicht in Millionen wie heute.

Gysi erinnerte an die Umbennung der SED zur PDS vor 15 Jahren. Nun gebe es wieder eine Umbennung, aber, rief Gysi: „Unser Ziel bleibt die Überwindung des Kapitalismus!“ Allerdings sei die Alternative nicht mehr der gescheiterte „autoritäre Sozialismus“, sondern eben dessen demokratische Variante. Die zunehmend auch der Wunsch westdeutscher Wähler sei, wie Gysi aus jüngsten Umfragen folgerte: „Erstmals gibt es in den alten Bundesländern das Bedürfnis nach einer Partei links von der Sozialdemokratie – und das ist keine Eintagsfliege.“

Der neue Partner der Linkspartei/PDS, die WASG, ist derweil noch uneinig über die künftige Kooperation. Während WASG-Vorstandsmitglied Frank Puskarev mit einer Rede für das „gemeinsame linke Projekt“ warb, verteilten Parteifreunde eine Erklärung, in der sie kritisierten, dass am Vortag nur ein WASG- Kandidat auf der PDS-Liste gewählt wurde. Richtig ernst genommen fühle man sich so nicht.

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