Berlin : PDS: Hin zum Westen, weg von der Bockwurst

Barbara Junge

Bezirksamt Penzlauer Berg: Backsteinbauten, Bockwurst und Clubcola. Sackleinene Vorhänge vor den trüben Fenstern und ein Saal von muffigem Turnhallenflair. So hat sich sich der Parteitag der PDS noch vor wenigen Wochen präsentiert. Wie bislang eigentlich jeder Parteitag der Postkommunisten, ob in Prenzlauer Berg oder Wilhelmsruh. Heimisch im Milieu des ehemaligen Osten.

Morgen soll alles anders werden. Catering ist versprochen im Neubau des Hotel Maritim am Bahnhof Friedrichstraße. Einen großen, lichten Saal im neuen Herzen der Stadt hat die PDS für ihren Wahlparteitag ausgesucht - dort wo auch SPD und CDU ihre Parteitage abhalten. Im Osten gelegen, aber dem Westen zugewandt.

Die Partei des demokratischen Sozialismus hadert mit ihrer eigenen Ausstrahlung. Nicht erst seit Gregor Gysi als Spitzenkandidat für die Wahlen im Herbst ausersehen ist. Doch seit Gysi die Rolle einstudiert, wird die tiefe Kluft zwischen dem Populisten an der Spitze und der ostalgisch anmutenden Partei sichtbarer denn je.

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Berlin vor der Wahl Das Maritim, so hofft die Parteispitze, schließt die Kluft. Zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung. "Ein bisschen mehr westlich, ein bisschen hübscher und mehr als nur Bockwurst, das wollten wir schon bieten", umschreibt PDS-Fraktionssprecher Günter Kolodziej den Versuch, das Image der Berliner PDS mit dem Parteitagsambiente zu renovieren. "Wir wollen ausstrahlen, dass wir nicht nur für soziale Gerechtigkeit stehen, sondern in der Hauptstadt angekommen sind", formuliert es Axel Hildebrandt, Parteisprecher und rechte Hand der Landesvorsitzenden Petra Pau. Schließlich sei das Bezirksamt Prenzlauer Berg "nicht gerade das Attraktivste, was Berlin an Veranstaltungsräumen zu bieten hat".

Deshalb ist mit der atmosphärischen Gestaltung des Parteitages auch die Wahlkampfagentur Trialon beauftragt. Zwar gehören weder Konfetti zum Konzept, noch soll sonst der Wahlkampfstil der CDU nachgeahmt werden. "Aber es soll schon anders werden als bei den bisherigen Parteitagen, wo wir nur einen Losungslappen hingehängt haben", erwartet Hildebrandt. Was bei den anderen großen Parteien Usus ist, muss die PDS erst lernen: eine optisch gut gestaltete Rückwand hinter dem Podium, Interviewräume, ausreichende Presseplätze und viel Raum für die zu erwartenden Fernsehkameras.

Ein wenig richtet sich selbst die Tagesordnung nach der medialen Logik. Die Kameras werden Gregor Gysi suchen, weiß die Parteitagsorganisation. Damit jedoch auch von den inhaltlichen Beschlüssen der PDS etwas an die Öffentlichkeit gelangt, hat man die Abstimmung über das Wahlprogramm vor die Kandidatenwahlen gestellt. Auf den Plätzen nach Gysi stehen auf der vorgeschlagenen Liste übrigens noch die Fraktionschefin Carola Freundl, die Bezirkspolitikerin Gesine Lötzsch und Fraktionschef Harald Wolf.

Einige in der PDS tragen sich mit der Hoffnung, dass sich mit den ausgerufenen neuen Zeiten, auch die Ausstrahlung der PDS-Mitglieder selbst wandeln möge. Man hofft auf viele junge Delegierte und verweist auf kleine Erfolge: "In der Fraktion tragen durchaus einige schon ganz moderne Kleidung", berichtet eine PDS-Getreue. "Und selbst Ex-Hausbesetzer Freke Over trägt etwas, das er für ein Jackett hält."

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