Berlin : "Pearl Harbor": Feldpostbriefe statt Flugzeugträger

Andreas Conrad

Zugegeben, das T-Shirt ist schon etwas verschossen. Aber der Aufdruck ist noch gut zu lesen, und nur darauf kommt es am Premierenabend an. "Sommerlich - Hawaiian Style", heißt es in der Einladung zur "Pearl Harbor"-Party am kommenden Sonnabend. Das legt wild geblümte Hemden nahe, aber der Gipfel der Originalität ist gewiss dieses vielgetragene Kleidungsstück, bedruckt mit Walen und dem Namenszug "Maui". Hawaii wäre besser, aber die zweitgrößte Insel des Archipels tut es auch.

Wieder einmal steht ein allergrößter Film aller Zeiten vor seinem Start. So trommeln es die dazu berufenen Reklameleute seit Wochen mit zunehmender Lautstärke, übertönen dabei die ernüchternde Gewissheit, dass trotz aller famosen Locations, die die deutsche Hauptstadt für derartigen Trubel zu bieten hat, die amerikanische Lösung sich leider verbietet: Kein Flugzeugträger auf der Havel! Nur der Hangar 2 in Tempelhof.

Seit Wochen werden Deutschlands Filmjournalisten in regelmäßigen Abständen mit fingierten Feldpostbriefen aus Hawaii bombardiert. Als Extrablatt wurde ihnen ein vermeintliches Zeitungsexemplar "Pearl Harbor" auf den Schreibtisch gelegt, täuschend echt mit hölzernem Halter, auf dem ebenfalls der Filmtitel prangt samt bundesdeutschem Starttermin. Und nicht zuletzt das Sonderheft von "National Geographic" ist hier zu erwähnen, das dieser Tage die Redaktionen per Post erreichte, als flankierender Angriff auf die Aufmerksamkeit der Rezensenten. Besonders wertvoll und auch an der Wand sehr dekorativ: die beigelegte Karte von 1942, mit dem Titel "Theater of the War in the Pacific Ocean". National Geographic hatte sie dem Dezemberheft 1941 beilegen lassen, zufällig in dem Monat, als Pearl Harbor überfallen wurde. Und als Präsident Franklin D. Roosevelt Anfang 1942 per Rundfunk zu seinen Landsleuten sprach und den Frontverlauf erläuterte, werden ihn, so vermutet das Blatt heute, wohl viele Amerikaner anhand genau dieser Karte studiert haben.

Nun, um zum Flughafen Tempelhof zu gelangen, genügt selbst Ortsunkundigen ein Stadtplan. Dem vermeintlich größten Film aller Zeiten wird natürlich nur eine ebensolche Leinwand gerecht. In den Lichtspielhäusern der Stadt sind die richtigen Dimensionen offenbar nicht vorhanden, das "an dem Tag größte Kino Deutschlandss" muss es schon sein, und das ist der Hangar 2 mit seinen 5000 Quadratmetern auf alle Fälle. Einen roten Teppich gibt es auch, über seine Länge gab es leider noch keine Informationen.

Der Abend beginnt mit einem "Blue Hawaii Welcome Cocktail" nebst "Hawaiian Reception", die Künstler kommen später. Vorneweg Produzent Jerry Bruckheimer, vielleicht auch Regisseur Michael Bay, auf jeden Fall begleitet von den beiden Hauptdarstellern Kate Beckinsale und Josh Hartnett. Beide sind bislang nicht sehr bekannt, doch auch Ben Affleck, die dritte, abwesende Hauptfigur, hat noch nicht ganz den Popularitätsgrad der Stars früherer Pearl-Harbor-Filme erreicht. Und dieser Frage muss sich das neue Spektakel natürlich auch stellen: Ist es den früheren Filmen über den japanischen Überfall auf Pearl Harbor gleichrangig? "Der letzte Countdown" beispielsweise, mit Kirk Douglas und Martin Sheen, "Tora Tora Tora" und vor allem Burt Lancaster und Frank Sinatra in "Verdammt in alle Ewigkeit".

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