Berlin : Peitschenhiebe für die Diva

Angelina Jolie kommt zur Premiere ihres Films „Salt“ nach Berlin. Eine soeben erschienene Biografie sucht ihre dunklen Seiten zu ergründen

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Eine Frau mit Vergangenheit. Hinter der strahlenden Fassade verbergen sich dunkle Abgründe – so sieht Biograf Andrew Morton die Schauspielerin Angelina Jolie, die hier bei der „Salt“-Premiere vergangene Woche in Tokio zu sehen ist. In Berlin wird sie den Thriller am 18. August präsentieren. Foto: dpa
Eine Frau mit Vergangenheit. Hinter der strahlenden Fassade verbergen sich dunkle Abgründe – so sieht Biograf Andrew Morton die...Foto: dpa

Sahnetorten, die in Gesichtern zerplatzen, sind auf der Leinwand etwas aus der Mode geraten. Auch im Alltag ist diese Art, Interesse am anderen zu bekunden, wenig empfehlenswert, manch einer versucht es dennoch: Im Frühsommer letzten Jahres drehte Angelina Jolie gerade den Thriller „Salt“. Gerüchte waren aufgetaucht, dass sie und Brad Pitt sich getrennt hätten, als dieser am 5. Juni unerwartet am Set auftauchte und ihr solch eine Torte ins Gesicht klatschte. Ein Spaß ohne Folgen: Sie sind noch immer zusammen.

Dennoch schade, dass Andrew Morton, Autor einer soeben bei Droemer erschienenen Biografie zu der schönen Angelina, nur den Vorfall schildert, ihre Reaktion auf das unerwartete Flugobjekt aber ausspart. Fragen konnte er sie leider nicht: Seine Ausführungen zum Leben des Stars wurden von diesem nicht autorisiert. Morton musste sich auf andere Quellen stützen, deren Auskunftsfreude zwar für ein 480-Seiten-Werk reichte, aber zu dieser klebrigen Episode war offenbar nicht mehr zu berichten.

Es ist unwahrscheinlich, das man in irgendeiner „Salt“-Szene noch Sahnespritzer in Angelina Jolies Mähne entdeckt, wenn der Film am 18. August, einen Tag vor dem deutschen Kinostart, im Cinestar am Potsdamer Platz Premiere hat, in Anwesenheit seines Superstars und auch ihres Berliner Kollegen August Diehl, der in einer Nebenrolle zu sehen ist. Informationen, ob sie ihren Brad dabei hat, gibt es noch keine, sollte er mitkommen, wäre diesmal er die Begleitperson, anders als bei der Premiere von „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ Anfang 2009, als er der Star des Abends war.

Ohnehin erschienen beide in den vergangenen Jahren mindestens wie Teilzeit-Berliner, tauchten aus diesem oder jenem Grund immer mal wieder auf, und es hielt sich sogar eine Zeitlang hartnäckig – und ebenso hartnäckig dementiert – das Gerücht, dass sie sich hier niederlassen wollten. Auch die Drehzeit zu Tarantinos „Inglorious Basterds“ waren sie hier zusammen, hatten sich samt Kindern und Personal „in einer riesigen Mietvilla in Berlin-Wannsee niedergelassen“, wie Morton notiert.

Aber dessen Hauptanliegen waren nicht die offen daliegenden Details aus Angelinas Leben, ihm ging es um „eine Synthese aus Enthüllung und Deutung“, und weil sein neues Schreibobjekt, anders als vor Jahren Lady Di, nicht mit ihm reden wollte, war er eben auf Randfiguren verwiesen, das Kindermädchen, Schulfreunde, eine Visagistin, einen Tanzlehrer und andere redselige Menschen, die dem Star einst begegnet waren in dieser oder jener Weise. Ein wildes Leben muss es gewesen sein, man hat darüber ja schon einiges gehört und gelesen, oft genug von Angelina selbst, die in Interviews unbekümmert erzählte, dass sie schon ganz andere Rollen gespielt hat als die der Bilderbuch-Mama und Benefiz-Heiligen. Morton gibt sich ordentlich Mühe, die vermeintlich dunklen Seiten der Glitzerprinzessin mit einer problematischen Kindheit zu erklären und vor allem erst mal ans Tageslicht zu zerren, etwa die angeblich im gemeinsamen Besuch eines Sadomaso-Clubs mündende Freundschaft mit Mick Jagger. Wieder und wieder habe der Rolling Stone ihr nachgestellt, sie zu seinen Konzerten eingeladen, ihr Ohrringe für 5000 Dollar geschenkt, und so nahm sie ihn denn „in einen New Yorker Bondage-Club mit Folterkeller“ mit und soll Freundinnen hinterher erzählt haben, „sie hätten sich alle auspeitschen lassen“. Sogar eine Lobpreisung solcher Züchtigung – ein Angelina-Zitat aus dem „Time Magazine“ – kann Morton beisteuern: „Bei SM kapierst du, was Überleben heißt. Es ist eine bizarre Art der Selbstreinigung.“

Andrew Morton: Angelina Jolie. Droemer, München. 480 Seiten, 19,99 Euro

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