Berlin : Pendler zwischen Berlin und Beirut

Auch im Kammergericht arbeitet Mehlis am UN-Fall

Katja Füchsel

Für sieben Monate war seine Welt praktisch aus den Angeln gehoben. Jetzt sitzt Detlev Mehlis in seinem schmalen Büro im Kammergericht, auf seinem Schreibtisch stapeln sich die Akten. Der Raum hätte dringend frische Farbe nötig. Die Kollegen nebenan haben auch nicht wirklich Neues zu berichten. „Hier hat sich gar nichts verändert“, sagt der Staatsanwalt grinsend. Er klingt leicht überrascht, aber durchaus angenehm.

Stress hatte Mehlis als UN-Sonderermittler mehr als genug, nun ist er „froh, wieder hier zu sein“. Die Fotos aus Beirut und New York hat der 56-Jährige noch nicht aufgehängt, dafür zieht er aus seiner Aktentasche jetzt Devotionalien der speziellen Art: Da ist eine persönliche Notiz von UN-Chef Kofi Annan, ein besonders skurriler Zeitungsartikel aus Syrien, der Stundenplan aus New York und Mehlis’ neuer Arbeitsvertrag: Ein weißes DIN-A-4-Papier mit Wappen der Vereinten Nationen und Unterschrift des Generalsekretärs. Denn der Berliner Staatsanwalt trägt ihn noch, den dritthöchsten Titel, den die UN zu vergeben haben: Under Secretary General. Nur, dass der Ankläger für seine Arbeit im Mordfall Hariri jetzt tageweise bezahlt wird und als Dienstsitz statt Beirut nun Berlin eingetragen ist.

Heute beispielsweise erwartet Mehlis im Büro seine Assistentin und seinen Chief Investigator mit den neuesten Erkenntnissen aus Beirut. „Dann machen wir von hier aus weiter“, sagt Mehlis, der demnächst wieder nach Beirut reist. Er hofft, dass er das Kapitel „Mitte Januar“ schließen kann, wenn sein Nachfolger ernannt ist. Voraussichtlich wird der belgische Staatsanwalt Serge Brammertz künftig die Mörder in Beirut jagen, die im Februar den ehemaligen libanesischen Premier Hariri zusammen mit 22 anderen Menschen ums Leben brachten.

Am Sonntag ist Mehlis aus New York zurückgekommen, Montag hat er seinen Dienst im Kammergericht angetreten. Weil das Telefon seitdem nicht mehr still steht und Mehlis seine Geschichte schlecht hundertfach erzählen kann, lud er am Mittwoch zur Pressekonferenz. Über eine Stunde dauerte es, bis alle Journalisten durch den Sicherheitscheck gelotst waren. Denn noch immer gilt Mehlis als gefährdet, im Gericht hat man sein Nachbarbüro extra für seine Bodyguards freigeräumt.

Auf seinem Podium blinzelt Mehlis lächelnd ins Blitzlichtgewitter. Vor einem Jahr kannten den Berliner nur Insider, jetzt muss er gleichen Fragen wie alle anderen Prominenten über sich ergehen lassen: Wie feiern Sie Weihnachten? Was schenken Sie Ihrer Frau? Schreiben Sie jetzt einen Spionageroman? Für Mehlis ist das neu, doch er reagiert wie ein Profi: Er antwortet freundlich, höflich – und absolut nichts sagend.

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