Berlin : Penthouse auf dem Bunker

In der Reinhardtstraße in Mitte sollen eine Kunsthalle und eine luxuriöse Dachgeschosswohnung entstehen

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Zur Kunsthalle soll der Bunker an der Reinhardtstraße in Mitte werden. Der Wuppertaler Christian Boros, Chef einer Werbeagentur und Kunstsammler, hat das Gebäude erworben. Er will hier seine Sammlung zeitgenössischer Kunst ausstellen, das Haus auch anderen Werken öffnen. Auf dem Dach richtet er sich ein Penthouse ein. Oben wurde die starke Betondecke bereits aufgerissen. Bei den Arbeiten müssen Vorgaben des Denkmalschutzes berücksichtigt werden.

Der Bunker ist einer der bekanntesten Berlins. Als „TechnoBunker“ war er in den neunziger Jahren ein Begriff in der Club-Szene, vor einem Jahr wurde hier das Festival „Insideout“ veranstaltet. Die Betonburg an der Albrecht- Ecke Reinhardtstraße liegt auf der Touristenroute zwischen Friedrichstadtpalast und Deutschem Theater, die FDP-Zentrale hat sich gleich nebenan angesiedelt. Der Bau war 1942 als „Reichsbahnbunker“ errichtet worden, der Ost-Berliner „VEB Obst Gemüse“ nutzte ihn später als Lagerhaus.

Vor einem Jahr hatte bereits die in Potsdam ansässige „Nippon Development Corporation“ (NDC) als Projektentwickler angekündigt, den von ihr erworbenen Bunker zu einer Kunsthalle umzubauen, zu einer dauerhaften Stätte junger Kunst. Architekten lieferten schon Entwürfe. Auch sie planten auf dem Dach des fünfstöckigen Bunkers ein Penthouse, das auch als Restaurant oder Café hätte genutzt werden können.

Als möglicher Mieter für Ausstellungen war damals das Pariser Centre Pompidou im Gespräch. Die großen Pläne für den Betonbunker aber fielen zusammen wie ein Kartenhaus. Jetzt will der neue Eigentümer das Haus zu einem Zentrum für zeitgenössische Kunst in Berlin machen. „Wir knacken die Nuss“, sagt er.

Der Betonkoloss macht Umbauten in seinem Inneren nicht leicht. Die Decken sind über drei Meter dick, die Wände fast zwei Meter. Das Innenleben des für 2500 Menschen angelegten Bunkers ähnelt mit seinen versetzten Treppenhäusern einem Labyrinth, was die Gäste des Techno -Clubs „Bunker“ begeistert hatte. Vor einem Jahr wurde das Gebäude als Ausstellungsort entdeckt.

Die Berliner Denkmalpflege, damals mit ersten Umbauplänen konfrontiert, stimmte zu, vorausgesetzt, dass die „brachialklassizistische“ Fassade mit den schießschartengroßen Fenstern und den Einschusslöchern aus Kriegstagen erhalten bleibt.C.v.L.

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