Performance zu Joseph Beuys : Falscher Hase aus Hollywood

Zum 30. Todestag von Joseph Beuys erinnert ein Theaterstück in Neukölln an den Künstler. Am Donnerstag feiert es Weltpremiere.

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Beuys-Performance. Der US-Produzent Tom Patchett macht zusammen mit Freunden in Berlin Theater.
Beuys-Performance. Der US-Produzent Tom Patchett macht zusammen mit Freunden in Berlin Theater.Foto: Markus Zucker

Typisch Berlin: Ein berühmter Hollywood-Produzent erfüllt sich einen langjährigen Traum und bringt zusammen mit einem Wiener Underground-Künstler ein selbstgeschriebenes Stück über Joseph Beuys auf die Bühne einer ehemaligen Brauerei in Neukölln. Solche Kontraste hätten dem großen Provokateur zu seinem 30. Todestag vermutlich gefallen, aber das alles geschieht tatsächlich ohne Unterstützung der etablierten Berliner Beuys-Gemeinde.

Die Weltpremiere von „Jeder Hase ein Künstler. Eine Beuys Fabel“ ist am 20. Oktober um 20 Uhr in der Alten Kindl Brauerei. Gezeigt wird das Stück von Tom Patchett und Georg Nussbaumer dann bis einschließlich 23. Oktober. Der Titel bezieht sich auf eine berühmte Kunstaktion von Beuys, bei der er einem toten Hasen Bilder erklärt hat.

Tom Patchetts Stück spielt auf der fiktiven Beerdigung des 1986 verstorbenen Künstlers, bei der die anwesenden Weggefährten oder Vorbilder in angedeuteten Hasenkostümen das Phänomen rezipieren und erklären. Mit dabei sind unter anderem Friedrich Nietzsche, der Anthroposoph Rudolf Steiner, Albrecht Dürer und Joseph Goebbels.

Das Stück lag zehn Jahre in der Schublade

Tom Patchett, der Miterfinder von „Alf“, der unter anderem Sandra Bullock, David Letterman und Michael Keaton ihre ersten Fernsehjobs verschaffte, hatte sein persönliches Erweckungserlebnis in einem Museum in Minneapolis frei nach dem berühmten Spruch „Ist das Kunst oder kann das weg?“. Da er die ausgestellten Beuys-Objekte als Kunst nicht auf Anhieb erkannte, fragte er nämlich einen Mitarbeiter, ob da vielleicht jemand ein paar Sachen vergessen hätte. Seitdem beschäftigt ihn die Kunst von Joseph Beuys, seitdem liest er Literatur darüber und sammelt Stimmen zu Beuys. Und daraus hat er am Ende ein Theaterstück gemacht.

Über zehn Jahre lang lag es in der Schublade. Georg Nussbaumer ist ein österreichischer Künstler, der sich zwischen Komposition und Installationskunst bewegt und eigene Umsetzungsideen mit eingebracht hat.

Zustande kam das Projekt durch eines dieser Netzwerke, die für Berlin nicht untypisch sind. Kimberly Emerson, die Frau des US-Botschafters, hatte vor ihrem Jura-Studium mal bei dem Emmy-Preisträger als Assistentin gejobbt. An sie wandte sich eine frühere NBC-Journalistin, die in einem Kulturzentrum in Los Angeles bei einer szenischen Lesung des Stücks mitgewirkt hatte und begeistert von der Idee war, das nach Deutschland zu bringen.

Eine surreale Performance in Spielfilmlänge

Kimberly Emerson schloss sich mit einer Kunstsammlerin zusammen, in deren Berliner Wohnung die New Yorker Szenen des Films „Der Vorleser“ gedreht worden waren. Gemeinsam fanden sie die in Beuys Todesjahr 1986 in Moskau geborene, heute zwischen Basel und Berlin pendelnde Kulturmanagerin Anna Iskina, die das Stück produzierte.

Nach vielen Absagen von Weggefährten schaffte sie es, eine viertel Million Euro für die Produktion zusammenzubekommen. Zu den Förderern gehören unter anderem der Hauptstadtkulturfonds Berlin und die Schweizer Clariant AG. Zu den Mitwirkenden zählt auch das Berliner Solistenensemble Kaleidoskop. Im Sinne der Macher, die das Werk des Aktionskünstlers aus dem musealen Kontext lösen wollten, um es auch jüngeren Menschen verständlich zu machen, ist eine surreale Performance in Spielfilmlänge entstanden. Parallel dazu eröffnet in der Galerie Sexauer die Sammelausstellung „Open Windows. Reflections on Beuys“ mit Werken unter anderem von Jonathan Meese und dem Aktionskünstler Christoph Schlingensief.

Infos: www.jederhaseeinkuenstler.de

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