Personalkürzungen : "Berliner Zeitung": Geschäftsführung will Redaktion schrumpfen

Geschäftsführer und Chefredakteur Depenbrock will in der Redaktion der "Berliner Zeitung" offenbar nahezu jede dritte Stelle streichen. Betriebsrat und Redaktionsausschuss wollen die Kürzungen nicht so einfach hinnehmen.

Von Christina Denz und Nathalie Waehlisch, ddpDer Redaktion der "Berliner Zeitung" drohen massive Personalkürzungen. Nach Informationen des Konzernbetriebsrates der BVZ Deutschen Mediengruppe Holding, zu der auch der Berliner Verlag gehört, soll bei der Zeitung die Zahl der Redakteursstellen von etwa 130 auf 90 reduziert werden. Chefredakteur und Geschäftsführer Josef Depenbrock informierte am Montag die Belegschaft, ohne laut Betriebsratsvorsitzender Renate Gensch konkrete Pläne zu nennen. Depenbrock wollte sich auf Anfrage nicht äußern.

Depenbrock hatte nach Angaben des Betriebsrates angekündigt, dass deutschlandweit 150 Stellen bei der Mediengruppe abgebaut werden sollen, die meisten beim Berliner Verlag. Nach Angaben von Teilnehmern stünden aber auch Pläne zum Outsourcing von Redaktionsteilen im Raum.

Redaktionsausschuss: Bei Streichungen ist journalistische Qualität gefährdet

"Wir fordern die Geschäftsführungen auf, die Pläne zurückzunehmen und in die Produkte zu investieren", sagte Gensch auf Anfrage. Die Gruppe hat den Angaben zufolge derzeit 930 Mitarbeiter. Zum Berliner Verlag gehören neben der "Berliner Zeitung" auch der "Berliner Kurier" und das Stadtmagazin "Tip", bei dem laut Betriebsrat 17 Mitarbeiter von dem insgesamt geplanten Stellenabbau betroffen sein sollen.

Die Redaktion lehnt die Pläne ab. Im Redaktionsstatut sei die "Berliner Zeitung" als Qualitäts- und Autorenzeitung festgeschrieben worden. Dieses Ziel ließe sich mit den Streichungen in der Redaktion nicht aufrechterhalten, sagte der Sprecher des Redaktionsausschusses, Thomas Rogalla. Das Vorgehen des Verlags zeige, dass nie etwas auf die Beteuerungen der Vergangenheit, die journalistische Qualität der "Berliner Zeitung" erhalten zu wollen, zu geben war.

Medieninvestor Montgomery von Anfang an in der Kritik

Anfang Juli beschäftigt sich das Arbeitsgericht in Berlin mit einer Klage der Redaktion gegen Depenbrock. Nach Auffassung von Rogalla verstößt Depenbrock gegen das Redaktionsstatut, weil er Geschäftsführer und Chefredakteur in einer Person ist. Dadurch würden die kommerziellen Interessen der Investoren ungebremst in die Redaktion getragen, argumentiert der Redaktionsausschuss.

Der britische Medieninvestor David Montgomery war 2005 mit seiner Firma Mecom durch den Kauf des Berliner Verlags in den deutschen Zeitungsmarkt eingestiegen. Das Unternehmen hatte dann die BV Deutsche Zeitungsholding - eine Tochter der Mediengruppe - gegründet und später den Hamburger Morgenpost Verlag und das Internetnachrichtenportal "Netzeitung" dazugekauft. Die beim Einstieg von Montgomery bekannt gewordenen Eckdaten der Investoren zu Umsatz- und Renditezielen hatten bei der Arbeitnehmervertretung des Berliner Verlags von Beginn an Befürchtungen über einen größeren Stellenabbau ausgelöst.

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