Personalmangel : Alarm bei der Feuerwehr

Bei der Berliner Feuerwehr reicht das Personal nicht. Unwettereinsätze sind nur mithilfe Freiwilliger zu bewältigen. Die Gewerkschaft fordert 300 neue Stellen, bewilligt werden wohl 75.

Christian van Lessen
Feuerwehr
Das Werben um den Nachwuchs beginnt bei der Feuerwehr früh. -Foto: Peters

Immer kräftigere Niederschläge und Gewitter – allein fast 600 Einsatzfahrten während des letzten großen Unwetters – die Feuerwehr kann die Wettereinsätze kaum noch bewältigen. „Das geht an die Substanz“ sagte gestern Landesbranddirektor Wilfried Gräfling am Rande des Tags der offenen Tür der Berliner Feuerwehr. „Die Berufsfeuerwehr hätte die vielen Einsätze ohne Hilfe freiwilliger Kräfte allein nicht schaffen können, das Personal reicht nicht aus.“ Die nächsten Tage könnten wieder brisante Wetterlagen bringen, die Feuerwehr bekam Warnungen vom Deutschen Wetterdienst.

Dass sich die letzten Unwetter in den Abend- und Nachtstunden ereignet hätten, sei für die Einsätze sogar noch günstig gewesen, denn so hätten ausreichend Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr zur Verfügung gestanden. Mit dem gestrigen Tag der offenen Tür habe man auch das Interesse an der Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr wecken wollen, sagte Wilfried Gräfling.

Zur Personalmisere kommt, dass nach der EU-Richtlinie zur Arbeitszeit Feuerwehrleute nicht mehr wie bisher 55, sondern maximal 48 Stunden in der Woche arbeiten dürfen. Aus 24-Stundenschichten wird die Feuerwehr bis Anfang 2008 Zwölfstundenschichten machen müssen, wie es bereits bei fünf von 38 Wachen praktiziert wird. Nach Ansicht der Feuerwehrgruppe in der Gewerkschaft der Polizei müssten durch die Senkung der Wochenzeit mindestens 300 Feuerwehrleute zusätzlich eingestellt werden. Gräfling sagte, er habe vom Senat „Signale“ für 75 zusätzliche Stellen bekommen, das sei „in der bisherigen Situation sehr positiv“. Die Feuerwehr versuche, auch aus den Reihen ihrer Verwaltung und „Service-Einheiten“ aktive Feuerwehrleute zu rekrutieren. „Wir gucken uns die Gesundheit jeden Mitarbeiters an.“ Gewerkschafter hatten gestern an den Eingängen zum Tag der offenen Tür in der Wache Charlottenburg-Nord mit Plakaten auf die Personalnot aufmerksam gemacht: „Feuerwehr in Not – Ihre Sicherheit ist gefährdet“, war zu lesen. Oder: „Der Senat schickt seine Feuerwehrleute nachts nach Hause.“ Schon im letzten Jahr waren 75 000 Unterschriften gegen eine Reduzierung von Personal und Fahrzeugen in den Nachtstunden gesammelt worden, im September wurde vor dem Roten Rathaus demonstriert.

Beim Tag der offenen Tür, zu dem fast 30 000 Besucher kamen, demonstrierte die Feuerwehr aber volle Einsatzkraft. Zu Beginn hatte Innensenator Ehrhart Körting 90 Einsatzbeamte vereidigt. Es gab Simulationen von Verkehrsunfällen oder auch Bränden, dazu ein Bühnenprogramm. Eine Parade moderner und historischer Feuerwehrwagen fuhr auf, auch Einsatzkräfte aus Brandenburg, Polen und den Niederlanden stellten sich vor. Unter dem Motto „Frauen am Zug“ wollte die Feuerwehr bei einem Vorführeinsatz auch für mehr Frauen und Mädchen in ihren Reihen werben. Unter den 3500 Angehörigen der Berliner Berufsfeuerwehr sind nur neun Frauen. Die Freiwilligen locken mehr Frauen an: Von 1500 Feuerwehrleuten sind zehn Prozent weiblich.

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