Personalmangel in Berlin und Brandenburg : Polizei fahndet nach Azubis

Die Polizei in Berlin und Brandenburg sucht händeringend nach Azubis für den mittleren und höheren Dienst, doch die Bewerberzahlen sind rückläufig. Die Gründe dafür vielfältig, unter anderem schreckt die schlechte Bezahlung ab.

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Die Polizei Berlin und Brandenburg sucht dringend nach Azubis - die die Anforderungen erfüllen.
Die Polizei Berlin und Brandenburg sucht dringend nach Azubis - die die Anforderungen erfüllen.Foto: picture alliance/ dpa

Wieder einmal sucht die Polizei etwas dringend: diesmal in eigener Sache. Die Zahl der Bewerber für den Beruf des Polizisten ist in Berlin und Brandenburg drastisch zurückgegangen. „Innerhalb der vergangenen zehn Jahre hat sich die Bewerberzahl um zwei Drittel reduziert“, sagt Andreas Schuster, Chef der Gewerkschaft der Polizei in Brandenburg. Erschwerend kommt hinzu, dass immer weniger Interessenten die Anforderungen erfüllen. Zugleich hat die Polizei aber dieses Jahr mehr Ausbildungsplätze zu vergeben als in den Vorjahren.

Immer weniger Bewerber

Weil sich zu wenige gemeldet haben, wurde die Bewerbungszeit in Berlin abermals verlängert – bis Mitte August. In großen Anzeigen wirbt sie für ihre Ausbildung zum mittleren oder gehobenen Dienst. Motto: „Komm in unser Team“. Die Berliner Polizei überlegt nun, die Altersgrenze der Bewerber heraufzusetzen. Für den nächsten Ausbildungsjahrgang im mittleren Dienst, der am 1. März 2014 beginnt, haben sich rund 2050 Kandidaten für die nun 200 bis 300 Plätze beworben. Im vorherigen Jahrgang waren es noch 2360 Bewerber für 140 Stellen. Auch am gehobenen Dienst sinkt das Interesse: Lediglich 650 junge Leute wollen sich zum Kommissar ausbilden lassen, 2012 waren es noch 1000. Diesmal gibt es jedoch 150 Plätze statt 90. In Brandenburg erhöht sich die Zahl der Stellen laut Innenministerium 2013/14 von 350 auf 480. Etwa 2000 Bewerber wurden hier in Jahr gezählt, sagt Gewerkschafter Schuster. Davon trete letztlich nur die Hälfte zum tatsächlichen Auswahlverfahren an.

Berlins Polizeisprecher Stefan Redlich berichtet noch von weiteren Schwierigkeiten. „Die Bewerber heute haben eine hohe IT-Kompetenz, können gut mit Computern und Kommunikationsmedien umgehen.“ Doch schwach seien viele Kandidaten in Deutsch, im strukturellen Erstellen von Texten – und im Sport. „Das ist ein bundesweiter Trend“, ergänzt der Brandenburger Polizeigewerkschafter. Auch hier erfüllten immer weniger Bewerber die Anforderungen. Zu diesen Problemen kommt der demografische Wandel. Die Jahrgänge der Schulabgänger sind kleiner geworden. Gleichzeitig scheiden aber in den kommenden Jahren 6300 Polizisten aus dem Dienst aus, weil sie das Pensionsalter erreicht haben. „Deshalb haben wir jetzt schon die Zahl der Ausbildungsstellen erhöht“, sagt der Berliner Polizeisprecher. Gerade hier benötigt die Polizei zudem Anwärter mit Migrationshintergrund. Der Anteil liege derzeit bei 20 Prozent. Um für den Beruf zu werben, habe es unter anderem eine Kooperation mit dem türkischen Generalkonsulat gegeben.

Unterschiedliche Bezahlung in unterschiedlichen Bundesländern

Aber auch die Frage der Bezahlung spielt eine zentrale Rolle. Laut Gewerkschafter Schuster sind Berlin und Brandenburg die Bundesländer, die ihre Polizisten am schlechtesten bezahlen. „Die Kollegen in Bayern verdienen 16 Prozent mehr als hier, in anderen Bundesländern sind es zehn Prozent mehr“, sagt Schuster. Erschwerend komme die Konkurrenz der in Berlin angesiedelten – und besser bezahlten – Bundespolizei hinzu. Auch die hat Probleme. Doch immerhin biete sie eine kostenlose Unterbringung ihrer Auszubildenden an, wie der Brandenburger Gewerkschaftschef sagt. „Polizeischüler an der Fachhochschule in Oranienburg müssen pro Monat 200 Euro für Internatskosten zahlen“, sagt Schuster.

Doch warum sollte ein junger Mensch zur Polizei gehen? Der Beruf sei vielseitig wie kaum ein anderer, sagt der Berliner Behördensprecher. Schließlich heißt Polizei nicht nur Funkwagen fahren und Demonstrationen begleiten. Die Bandbreite dessen, was man später machen kann, ist sehr groß und geht von Spurensicherung über Bombenentschärfung bis zum Hubschrauberpiloten. Aber ob das genügt? Laut dem Brandenburger Gewerkschafter würden sich junge Menschen mit guten Schulabschlüssen eher für eine Ausbildung und Jobs in der freien Wirtschaft entscheiden. Um eine Ausbildung für den Polizeidienst wieder attraktiv zu machen, fordert Schuster vor allem eine einheitliche Besoldung sowie den Wegfall von Sonderleistungen wie kostenlose Unterbringung. „Polizist ist Polizist, egal ob in Bayern oder Brandenburg“, sagt der Gewerkschaftschef.

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