Berlin : Personalnot im Job-Center: Pankow sucht noch 100 Berater

Arbeitsagentur und Sozialämter bereiten sich auf Hartz IV-Betreuung vor. Viele Hindernisse beim Aufbau der neuen Anlaufstellen für Langzeitarbeitslose

Sigrid Kneist

In den nächsten Tagen beginnen auch die Sozialämter damit, die Unterlagen für das Arbeitslosengeld II zu verschicken. Rund 100000 Familien, die bislang keine Leistungen vom Arbeitsamt, sondern Sozialhilfe bezogen, werden den 16-seitigen Antrag erhalten. Die fünf Berliner Arbeitsämter, die mit dem Versand bereits am 19. Juli begonnen hatten, haben bisher die Unterlagen an ein Drittel der 174000 Empfänger von Arbeitslosenhilfe geschickt. Die Versandaktion soll bis Ende des Monats abgeschlossen sein. Der Rücklauf ist noch spärlich. „Er tröpfelt“, sagt Olaf Möller, Sprecher der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg.

Seinen Eindruck bestätigt Petra Röhlinger-Schulz, Chefin der Arbeitsagentur Nord (zuständig für Pankow, Charlottenburg-Wilmersdorf, Spandau, Reinickendorf). 6000 der rund 17000 Anträge hat sie etwa in Pankow rausschicken lassen. Zurückgekommen sind erst 360 Stück. Röhlinger-Schulz wies darauf hin, dass die Betroffenen möglichst schnell die Anträge zurückbringen sollten, damit ab dem 4. Oktober, wenn die Software bundesweit zur Verfügung steht, mit der Bearbeitung begonnen werden kann. Das Sozialamt wird weitere rund 10000 Anträge verschicken.

Pankow ist der erste Bezirk, in dem Sozialamt und Arbeitsagentur eine Vereinbarung über die Zusammenarbeit in einer künftigen Arbeitsgemeinschaft, dem so genannten Jobcenter, getroffen haben. Arbeitsagentur-Chefin Röhlinger-Schulz und Pankows Sozialstadtrat Johannes Lehmann (SPD) zeigten sich davon überzeugt, dass alle noch bestehenden organisatorischen Probleme bis zum Jahresanfang 2005 bewältigt werden können. Sie widersprachen damit der Einschätzung des CDU-Wirtschaftsexperten und früheren Finanzsenators Peter Kurth, der am Vortag die Vorbereitungen in Berlin für die Zusammenarbeit von Arbeitsagentur und Sozialamt als „völlig unzureichend“ kritisiert hatte. Ungeklärt ist in Pankow beispielsweise, wo das Job-Center untergebracht wird. „Wir schauen uns derzeit nach passenden Liegenschaften um“, sagt Röhlinger-Schulz.

Das größte Problem scheint jedoch in Pankow – wie auch in anderen Bezirken – zu sein, genügend Personal aus dem Bezirksamt und der Arbeitsagentur zu bündeln, um sich angemessen um die rund 27000 künftigen Empfänger des Arbeitslosengeldes zu kümmern. Wenn tatsächlich – den Vorstellungen der Bundesregierung entsprechend – ein Sachbearbeiter 150 Arbeitslose (bei Jugendlichen 75) betreuen soll, benötigt das Job-Center 385 Stellen. Derzeit stehen nach Lehmanns Angaben 220 Stellen zur Verfügung, davon kommen rund 90 von der Arbeitsagentur, der Rest vom Sozialamt. Weitere 50 Stellen könnten vom Jugend- und Wohnungsamt kommen.

Die noch fehlenden mehr als 100 Stellen will der Bezirk zum Teil aus dem Stellenpool des Landes besetzen. „Und wir werden bei der Klausur des Senats mit den Bürgermeistern in der kommenden Woche auch darüber reden, ob es für die Job-Center Neueinstellungen geben kann“, sagte Lehmann. Denn die Kosten würden über die Bundeszuschüsse für die Job-Center finanziert. Neueinstellungen aber halten sowohl Senatssprecher Michael Donnermeyer als auch die Sozialverwaltung für unrealistisch. Da müsse man schauen, was die Bezirke und auch die Arbeitsagenturen noch leisten können. Zur Not will Lehmann die fehlenden Stellen durch die Dienstleistungen von freien Trägern ausgleichen: „Damit haben wir durchaus Erfahrung.“

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